Von Karl August Horst

Karlheinz Deschner ist wegen seines List-Bändchens "Was halten Sie vom Christentum(das René Drommert auf S. 4 dieser Ausgabe besprochen hat) wiederholt und mit Recht angegriffen worden. Ähnlich war es ihm schon vorher mit der Streitschrift "Kitsch, Konvention und Kunst ergangen. Die Reaktionen der Öffentlichkeit (die vor allem auch in den Zeitungen ihren Niederschlag fanden) zeigen jedoch, daß Deschner eines nicht abzusprechen ist: Er, hat, wenn auch mit unzureichenden Mitteln, beim zweiten- wie beim erstenmal Fragen aufgegriffen, die danach verlangten, diskutiert zu werden. Beitrag zu einer solchen Diskussion ist auch die folgende Betrachtung von Karl August Horst.

Die Frage: "Was halten Sie vom Christentum?" zielt insgeheim auf die Frage ab: "Was hat das Christentum praktisch geleistet? Hat es sich bewährt? Oder könnte man sich vorstellen, daß die Menschheit ohne Christentum besser gefahren wäre?"

Das "Christentum", von dem ich etwas halten beziehungsweise nicht halten soll, ist eine ideologische Abstraktion. Es existiert so wenig wie "die Menschheit" oder "die Technik".

Was halten Sie von der Technik? Hat sie den ursprünglich unverdorbenen Menschen korrumpiert? Was halten Sie von der Menschheit? Wird sie eines Tages in das Paradies der Zukunft einziehen?

Dergleichen spekulative Fragen gehören in jene Kategorie, von der Kant sagt, es erfordere schon einen nicht geringen Grad von Klugheit, Fragen zu stellen, auf die man vernünftigerweise eine Antwort erwarten könne.

Die Zweckfrage: "Was halten Sie vom Christentun?" ist die letzte Frage vor der Gottesleugnung. Sie birgt schon jene Indifferenz, die sich über die Entscheidung "Ja oder Nein" mit einer bloßen Meinung hinwegbetrügt. Ist Christentum Ansichtssache? Oder ist Christentum Bekenntnis?