Praktikanten aus Entwicklungsländern ebnen den Weg zu besseren Auslandskontakten

Von Albert Schriefer

"Der Handel folgt nicht mehr der Flagge, er folgt dem Ingenieur." Mit diesen Worten ermunterten wir vor einiger Zeit die Investitionsgüter-Industrie, Ingenieure als ständige technical advisers in die entwicklungsfähigen Länder zu entsenden, um dort einen sich eben erst erschließenden Markt zu pflegen. Hier wird nun die Aufmerksamkeit auf diejenigen gelenkt, die unseren "technischen Ratgebern" den empfohlenen Weg zu besseren Auslandskontakten ebnen können.

Mancher wird ihnen schon begegnet sein, im-Betrieb und in den Straßen der Industriestädte: nicht den weitgehend akkulturierten exotischen Hochschulbesuchern, sondern den braun- und bronzehäutigen künftigen Facharbeitern und nicht akademisch vorgebildeten Technikern, die einmal den Fortschritt der Industrialisierung in ihren Heimatländern mitbestimmen werden.-Diese Länder, die als Nahziel den Aufbau einer lohnintensiven Industrie anstreben, um möglichst schnell den Lebensstandard anzuheben, wandern ein Engpaß auf dem Arbeitsmarkt entgegen: es fehlt an qualifiziertem Personal.

Der Aufbau von Industriebetrieben in den entwicklungsfähigen Ländern hängt vornehmlich davon ab, wie schnell es gelingt, aus einer agrarwirtschaftlich orientierten und in einem industriefremden Arbeitsrhythmus lebenden Bevölkerung ein Potential an qualifizierten Facharbeitern und Ingenieuren heranzubilden, die Funktionen auf den unteren Mittelstufen der Betriebshierarchie übernehmen können. Noch werden diese Techniker in weitem Umfang im Ausland angelernt. Heimgekehrt, revanchieren sie sich mit Importpräferenzen für ihr einstiges Gastland, und dies nicht nur, weil sie menschliche Kontakte gewonnen haben, sondern in erster Linie wohl deshalb, weil sie mit den technischen Einrichtungen und Produktionsweisen dieser Länder vertraut sind. Sie begünstigen die Betriebe, die sie einst ausgebildet haben, und öffnen zugleich den Markt für Nachholbedarf. Praktikanten ausbilden heißt: Bedarf schaffen.

Auch Enttäuschungen

An solchen Praktikanten zählt die Bundesrepublik gegenwärtig etwa 5000. Die Mehrzahl von ihnen stammt aus Indien. Gewiß ist ferner, daß unter den Praktikanten – als Teilnehmer an Regierungsprogrammen – 100 Ägypter, 150 Türken, einige Indonesen und Afrikaner sind, aber auch Südeuropäer, so 100 Italiener und 100 Griechen. Dieser Überblick läßt bereits die Lücke ahnen: Nordafrika und der Nahe Osten. Eine genaue "Bestandsaufnahme" ist allerdings recht schwierig; denn diese jungen Männer zwischen 22 und 30 Jahren, die zum großen Teil nur zehn bis zwölf Monate in der westdeutschen Industrie tätig sind, schleusen sich auf drei getrennten Wegen in die Bundesrepublik ein: