Geschäftsinhaber und Aufsichtsrat der Berliner Handels-Gesellschaft werden der Hauptversammlung die Zahlung einer Dividende von 12 v. H. vorschlagen. Darüber hinaus werden sie beantragen, das Grundkapital um 5 Mill. DM auf 25 Mill. DM zu erhöhen. Der Ausgabekurs der jungen, für 1958 voll dividendenberechtigten Aktien beträgt 100 v.H Das ist ein äußerst günstiges Bezugsrecht. Sein rechnerischer Wert beträgt 40 v. H. Hinzu kommt eine Dividendenzahlung für die ersten vier Monate des laufenden Jahres, in denen das Kapital noch nicht eingezahlt war. Alles in allem können die Aktionäre zufrieden sein. Sie sollen mit dem Bezugsrecht eine Entschädigung für den Kapitalschnitt, der bei der Umstellung im Verhältnis 10:7 erfolgte, erhalten.

Die Aktien der Berliner Handels-Gesellschaft erfreuen sich, wie ihr Kurs von zur Zeit etwa 300 erkennen läßt, an der Börse besonderer Beliebtheit. Das kommt nicht von ungefähr; es zeigt vielmehr, daß die Aktionäre mit ihrer Gesellschaft in der Vergangenheit gut gefahren sind. Das Unternehmen hat seit den dreißiger Jahren nur einmal, und zwar bei der Währungsreform, sich zu einem Kapitalschnitt entschließen müssen, während es die große Bankenkrise in den dreißiger Jahren ohne Kapitalzusammenlegung überstanden hat. Die Börse erkennt aber auch die vorsichtige und gediegene Geschäftspolitik des Instituts an, die vor allem darin ihren Ausdruck findet, daß sich die Bank nur mit potente Unternehmen als Kunden bewirbt.

Das hat aber auch Nachteile. Die große und gute Kundschaft ist nämlich sehr verwöhnt. Sie möchte für ihre Einlagen die besten Zinsen erzielen und die geringsten bei der Beanspruchung von Krediten zahlen. Entsprechend sind die Zinserträge von rund 10 Mill. bei einem Bilanzvolumen von 538 Mill. relativ bescheiden. Die Gewinne muß das Unternehmen deshalb vor allem durch Dienste an der Kundschaft erwirtschaften. Provisionen und Gebühren betrugen im letzten Jahre 12 Mill. DM; sie stammen in erster Linie aus dem Konsortialgeschäft, also aus der Öffnung des Kapitalmarktes für die große Bankenkundschaft.

Nach der Kapitalerhöhung werden die eigenen Mittel der Berliner Handels-Gesellschaft rund 36 Mill. DM betragen. Sie machen etwa 6,5 v. H. der Bilanzsumme aus, was verhältnismäßig viel ist. Ein hohes Eigenkapital aber ist notwendig, um einmal die erheblichen Beteiligungen der Bank an Industrieunternehmen und ihre sonstigen Anlagevermögen voll zu decken, und um andererseits dem Großgeschäft die notwendige Stabilität zu geben. Alles in allem: gute und damit rentierliche Dienste für die Kundschaft einerseits und Sicherheit andererseits begründen mit Recht das Vertrauen, das die Börse in die Berliner Handels-Gesellschaft setzt, eb.