New York, im März

Farewell to Arms, der Roman Ernest Hemingways – bei uns unter dem Titel "In einem anderen Land" bekannt – ist in der Verfilmung von David O. Szelnik eine ungestüme, bisweilen wehmütig heitere Liebesromanze geworden, umgeben vom wuchtigen Kriegspanorama. Der Drehbuchschreiber Ben Hecht scheute – der Spannung und dem Tempo zuliebe – vor kleinen Veränderungen nicht zurück, und der "Massen"-Spezialist Charles Vidor als Spielleiter hat Idyllik und Düsternis des Krieges voll resignierter Verzweiflung und jammervolle Fluchtszenen in packenden Bildern entworfen. Da waltet die Stummfilm-Exaktheit der Aufmärsche, Tumulte und wimmelnden Menschenfluten vor dem Hintergrund beschneiter Alpengrate. Die Handlung des Romans wurde erheblich zum Romantischen hin verschoben. Szelniks Gattin, Jenifer Jones, als liebestrunkene Pflegerin rückte in den Vordergrund, und es assistiert ihr Hollywoods jüngster "Edelboy", der markante Rock Hudson. Als gemütvoll unwirscher Militärarzt trägt Vittorio de Sica die Bürde der Vernunfts- und Mitleidspointen, die von Hemingway fast wörtlich übernommen worden waren. Diese schauspielerischen Leistungen haben eine menschlich getönte, subtile Geschlossenheit.

Der argumentenreiche Pazifismus des Romans ist im Film jedoch nur eine an absurden, sinnlos tragischen Einzelheiten reiche Staffage. (Der Film läuft in der nächsten Woche in der Bundesrepublik an.)

Ludwig Ullmann