Das ist ein Kinderbuch für große und kleine Kinder. Manchen, höre ich, ist es zu kindisch. Anderen zu erwachsen. Manche werfen heute dem Autor vor, daß er Geld verdient; früher warfen ihm manche vor, daß er es zu nichts gebracht habe. In der Kunst, sich zwischen Stühle zu setzen, kennt er kaum seinesgleichen. Die Machthaber mochten ihn nicht, und die Demokraten sind ihm auch nicht alle gewogen.

Wir vom Jahrgang 1921 wollen diesen Autor nicht kritisch sehen und also auch nicht dieses Buch:

Erich Kästner; "Als ich ein kleiner Junge war." Cecilie Dressler Verlag, Berlin. 191 S., 7,80 DM. "Herz auf Taille" und "Lärm im Spiegel" spiegelten unser Unbehagen an der Gesellschaft der Erwachsenen, als wir noch halbwüchsig waren. Lüstern halb und halb angewidert drangen wir mit "Fabian" gefährdende erotische Gefilde vor. "Emil und. die Detektive" schließlich fanden wir amüsant, obwohl wir uns, nach den Taillen-Gedichten und den Fabian-Exzessen, dafür eigentlich schon zu erwachsen vorkamen. Wir waren etwa fünfzehn Jahre alt...

Wer mit Kästner aufgewachsen ist oder Dresden liebt oder gern literarische Ausflüge macht in jenes eigentümliche Lebensalter, in dem sich frühreife Kinder und jugendliche Erwachsene begegnen, der wird das Buch, das Erich Kästners Leben vom ersten bis zum fünfzehnten Lebensjahr erzählt, erst vier Stunden, nachdem er es aufgenommen hat, wieder aus der Hand legen – und bedauern, es schon ausgelesen zu haben. R. W. L.