Die Deutsche Lufthansa ist aus ihren Kinderschuhen herausgewachsen! Diese immerhin recht verpflichtende Fesstellung traf der Verkaufsleiter der DLH, Bernd Barg, gelegentlich der Veröffentlichung von Einzelheiten des neuen Sommerflugplans. Er tritt diesmal bereits am 1. April in Kraft und bringt der Lufthansa zweifellos die größte Verkehrsausweitung seit Aufnahme ihres Betriebes. Gegenüber dem Sommer 1957 wird sich das Transportvolumen der DLH für den Personen-, Luft-Post- und Frachtverkehr um etwa 60 v. H. erhöhen. Allein auf der Nordatlantikroute verdoppelt die Lufthansa in diesem Sommer ihre Kapazität. Von großer Bedeutung ist auch die Verkehrsverbesserung auf den weiteren interkontinentalen Lufthansa-Linien nach Südamerika sowie nach Nah- und Mittelost. Innerhalb Europas werden nun Belgien und Italien ebenfalls in das deutsche Streckennetz einbezogen.

Erfreulicherweise hält bei der Deutschen Lufthansa die geschäftliche Entwicklung mit der Verkehrsausweitung Schritt. Unter den 91 IATA-Gesellschaften nimmt sie jetzt in der Kapazität bereits den 20. Platz ein. Und wenn 1955 der Lufthansa-Betrieb erst 55 v. H. der Kosten decken konnte, so waren es 1956 bereits 81 Pfennige, die das Unternehmen von jeder ausgegebenen Mark selbst verdiente; 1957 dürften es etwa 90 Pfg. gewesen sein. Im übrigen disponiert die DLH nach wie vor vorsichtig: während fast alle Luftverkehrsgesellschaften der Welt sich in der Hoffnung auf das Anhalten der Hochkonjunktur mit Maschinen "überkauft" haben und nun von dem konjunkturellen Rückschlag in Mitleidenschaft gezogen sind, kann die DLH jetzt die Früchte ihrer weisen Zurückhaltung ernten. Doch ist die Lufthansa nach wie vor der Ansicht, daß sich der Luftverkehr über kurz oder lang zum Massenverkehr entwickeln wird und eines Tages auch auf den Europastrecken Düsenmaschinen eingesetzt werden müssen. ww