Die deutsche Ostforschung hat eine lange und ehrwürdige Tradition, die nicht zuletzt mit dem Namen Otto Hoetzschs verbunden ist. In ihrem Schatten haben sich freilich – im Dritten Reich schon und heute von neuem – recht dubiose Propagandisten eingenistet. Antibolschewismus war unter Hitler ein gutes Geschäft, und es blüht auch heute wieder: Hier ist kein Konjunkturumschwung eingetreten. Auf welch schmalem Grat die Ostforschung zuweilen zwischen Wissenschaft und Propaganda wandert, ist erst unlängst auch an einer Broschüre von Hjalmar Toppe gegen Elizabeth Wiskemann und deren umstrittenes Buch über die deutschen Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie deutlich geworden. Diese Broschüre, die auch das Auswärtige Amt zu einer Stellungnahme veranlaßt hat, beschränkt sich ganz auf die persönliche Diffamierung der englischen Autorin; ein Glanzstück wissenschaftlicher Ostforschung ist sie nicht. Um so erstaunlicher ist es, daß sie unter den Auspizien des Osteuropa-Instituts in München erschien – desselben Instituts, das auch die Lektüre eines höchst fragwürdigen Buches empfiehlt, das im folgenden unter die Lupe genommen wird.

Für alles interessiere ich mich, was mit dem Kommunismus und kommunistischer Ideologie zu tun hat. So bin ich vor einiger Zeit auch auf eine Schrift von Helmut Steinberg gestoßen:

Marxismus, Leninismus, Stalinismus

Der geistige Angriff des Ostens.

(Holsten-Verlag Hamburg, 1955)

Sie beginnt mit großem Anspruch: "Der Dianat und seine Überwindung ist das entscheidende Problem der nächsten Jahrzehnte" und verspricht, das ihre dazu beizusteuern. Mit reichlich wenig Kenntnis und Verständnis, aber desto rascherer Leichtfertigkeit werden dann jedoch die unteren Kunststücke einer leider nicht selten anzutreffenden Überwindungsakrobatik vorgeturnt.

Marx – "Mordechai" war ein "intellektuelle Dämon", ohne eigene schöpferische Leistung, der Hegel und Feuerbach nur "für seine Zwecke umgebogen und ausgeplündert" habe, heißt es ca. Bestenfalls sei er ein gerissener Agitator gewesen, begabt mit einem "erstaunlichen Konjunkturinstinkt" aus seinem rabbinischen Erbe.