Es ist unbestreitbar, daß die zentralverwaltungswirtschaftlich organisierte Industrie der Sowjetunion im Hinblick auf die technische Hervorbringung – vor allem von Massenprodukten und aller Art von militärischem Serienbedarf – beachtliche Leistungen vollbracht hat. Im Hinblick auf die eigentlichen Aufgaben der Wirtschaft aber, der Deckung der vielgestaltigen menschlichen Bedürfnisse, wie sie in einer hochentwickelten Gesellschaft geltend gemacht werden, hat das kommunistische System bisher völlig versagt. Bisher lassen sich auch keine Anzeichen erkennen, daß dieses System in der Lage ist, dem Menschen zu dienen und ihm einen höheren Lebensstandard zu sichern.

Erst jetzt, wenn die Sowjetische Wirtschaft sich mehr differenzieren muß, wenn neue weiterverarbeitende Industrien aufgebaut werden, die die steigende Grundstoffproduktion aufnehmen können, wird sich der schwerste Mangel des Planwirtschafts-Systems herausstellen: die Tatsache, daß es keinen Gradmesser für die Produktivität gibt, wie ihn die verhaßte "kapitalistische" Marktwirtschaft in der Preisbildung besitzt. Die bewußten und unbewußten Verstöße gegen das Wirtschaftlichkeitsprinzip, die diesem System immanent sind, dürften es verhindern, daß die Bevölkerung der Sowjetunion jemals den Standard der westlichen Welt erreichen wird. Alle Verheißungen, daß der Wachstumsanstieg der sowjetischen Wirtschaft, der in der Aufbauzeit möglich war, auch in Zukunft beibehalten werden kann, erweisen sich jedenfalls bisher als verfehlt.

Viele, allzu viele Anzeichen sprechen dagegen dafür, daß sich die Sowjetunion wirtschaftlich übernommen hat. Chruschtschow kämpft heute einen verzweifelten Kampf gegen die Schwierigkeiten und Nöte, die eine sich in voller und schneller Umbildung befindliche Gesellschaft und Wirtschaft verursachen. Alle Kenner der sowjetischen Probleme – unter ihnen auch Kennan – sind sich darüber einig, daß die andrängenden Fragen nicht gemeistert werden können, wenn die Sowjetunion den Mühlstein der Rüstung weiter um den Hals tragen muß. Niemand kann heute ein dringenderes Interesse an einer weltweiten Abrüstung haben als der erste Mann im Kreml.