Ein Überbleibsel aus der alliierten Entflechtungsepoche sind die Liquidations-Anteilscheine der Vereinigte Stahlwerke AG i. L. Sie wurden geschaffen, um die Entflechtung des ehemals größten deutschen Montan-Konzerns durchführen zu können. Abschnitt für Abschnitt ist inzwischen von dem Anteilschein gelöst worden. Dafür erhielten die Besitzer Aktien der entflochtenen Gesellschaften. Seit Jahren ist die Liquidation des alten Stahlvereins praktisch beendet. Es steht nur noch die Verteilung des Gegenwerts aus, den der Stahlverein für die Abtretung aller Ansprüche aus seiner Beteiligung (zu 67 v. H.) an der Gebr. Böhler & Co AG, Wien, erhalten hat bzw. noch erhalten soll. Wie ist dieser Posten zu bewerten? Damit wollen wir uns heute beschäftigen.

Zunächst einmal kurz die Vorgeschichte: Die österreichische Gebr. Böhler & Co AG wurde nach einem österreichischen Gesetz verstaatlicht. Iir gehört u. a. auch das Edelstahlwerk in Düsseldorf. Nun ergab sich die Frage, inwieweit das österreichische Verstaatlichungsgesetz auch auf das Düsseldorfer Edelstahlwerk anzuwenden ist. Es kam zu Meinungsverschiedenheiten und Rechtsstreitigkeiten zwischen der verstaatlichten Böhler-Gesellschaft und der Bergbau- und Industriewerte GmbH, Düsseldorf, auf der bei der Umgestaltung der Vereinigten Stahlwerke alle aus der Böhler – Beteiligung bestehenden oder noch entstehenden Rechte übertragen wurden. Im vorigen Jahre kam es zu einem Vergleich zwischen den Parteien, in dem sich Böhler verpflichtete, die Rechts- position der Bergbau-und Industriewerte GmbH durch eine Zahlung von 37,5 Mill. DM ablösen.

Der Bestand dieses Abkommens ist davon abhängig, daß der Vertrag über das deutsche Vermögen, der sowohl dem deutschen als auch dem österreichischen Parlament zur Ratifizierung vorliegt, rechtskräftig wird. Die erste Lesung ist vom Bonner Bundestag jetzt vorgenommen worden. Die Ausschüsse dürften zwar einige Pro-forma-Einwände erheben, aber letztlich wird ratifiziert werden. Der Zeitpunkt ist schwer abzuschätzen. Er wird vermutlich noch im ersten Halbjahr 1958 liegen.

Der Termin der Ratifizierung, meine verehrten Leser, ist für den Wert der Ver. Stahl-Liquis sehr wichtig, wie Sie gleich sehen werden. Die Vergleichssumme (37,5 Mill.) wird nämlich in drei Teilbeträgen gezahlt. Davon sind 27,5 Mill. DM bereits eingegangen und liegen auf einem Sperrkonto. Sie werden frei und ausgeschüttet, sobald der Vertrag ratifiziert worden ist. Allerdings erhalten die Liquis-Besitzer davon nur 17,5 Mill. DM, weil gemäß einer Auflage der alliierten Entflechtungsbestimmungen 10 Mill. DM vorab an die August-Thyssen-Hütte AG zu zahlen sind. Die noch von Böhler zu zahlenden restlichen zehn Mill. werden zur Hälfte im Jahre 1960 und 1962 fällig. Eine vorzeitige Ablösung gilt als nicht ausgeschlossen. Die auf den Betrag entfallenden Zinsen werden ebenfalls verteilt, allerdings abzüglich der Verwaltungskosten.

So, meine verehrten Leser, nun kennen Sie die Grundlagen. Jetzt beginnt unsere Rechnung: Angenommen, Sie kaufen zum jetzigen Kurs von rund 5,1 v. H. nom. 100 000 RM Vereinigte Stahlwerke AG Liquidationsanteilscheine, dann wären 5100 DM netto (also ohne Spesen) aufzuwenden. Nach einer Aufstellung des Commerzbank-Bankvereins, der darin sowohl den auszuschüttenden Gesamtbetrag als auch die Zinsen berücksichtigt, werden auf diese 5100 DM Einsatz in drei Raten bis Mitte 1962 insgesamt 6350 DM zurückgezahlt. Und zwar in folgendem Rhythmus:

4000 DM sofort nach Ratifizierung des Österreich-Vertrages (vorsichtig geschätzt etwa zum 1. Juli 1958).

1000 DM Mitte 1960 (2. Rate)