Das wiederaufgelebte Interesse für den Pfandbrief hat der Württembergischen Hypothekenbank in Stuttgart, dem drittgrößten reinen Realkreditinstitut im Bundesgebiet, 1957 eine Geschäftsausweitung gebracht, die 3 1/2 mal so groß ist wie die des Jahres 1956. Die Bilanzsumme wuchs um rund 110 auf rund 611 Mill. DM. Allerdings konnte sich diese Steigerung nicht voll im Ertrag auswirken, da ein Großteil der Wertpapierverkäufe erst gegen Jahresschluß erfolgte und entsprechende Gegengeschäfte nicht mehr möglich waren. Dafür rechnet man für 1958 mit größeren Erträgen, denn es sind allein 50 Mill. DM Darlehenszusagen in das neue Jahr übernommen worden.

In den ersten Wochen dieses Jahres hätte die Bank bei entsprechendem Aktivgeschäft dreimal soviel Wertpapiere verkaufen können, wie sie tatsächlich absetzt. Jedoch ist das Institut nach den Erfahrungen von 1955 bei der Placierung vorsichtig, da sie den nicht unbegründeten Eindruck hat, daß die Pfandbriefkäufe wieder überwiegend nicht als langfristige Anlage gedacht sind. Der Anteil der privaten Anleger ist nach den Beobachtungen der Bank eher etwas geringer geworden und wird auf rund 20 bis 25 v. H. geschätzt. Das Institut ist daher auch bestrebt, sich möglichst flüssig zu halten und hat hierzu die Rücklagen aus dem Ertrag um 2,8 auf 12 Mill. DM verstärkt. Es kann nach den Äußerungen von Direktor Fahrbach auch damit gerechnet werden, daß bei weiterem Anhalten der guten Geschäftsentwicklung die Bank von der Ermächtigung zur Kapitalerhöhung um 5 auf 15 Mill. DM noch in diesem Jahr Gebrauch machen wird. Die Bank erwartet eine weitere Senkung des Pfandbriefzinses auf 6 1/2 v. H. noch in diesem Frühjahr, wenn sich der Pfandbriefverkauf auf der jetzigen Höhe hält. Schon jetzt wäre nach Ansicht von Direktor Fahrbach eine Ausgabe derartiger Papiere zum Kurs von 92 oder 93 v. H. möglich. Damit wäre dann auch der Anschluß an den Wohnungsbau wieder erreicht. Denn das besondere Merkmal des Geschäftsjahres 1957 war bei der Bank das erstmalige Überwiegen der Kommunaldarlehen über die Hypotheken. Von den Auszahlungen an Hypotheken und Kommunaldarlehen von insgesamt 93,72 Mill. DM entfielen allein rund 50 Mil. DM auf Kommunaldarlehen, da die Gemeinden eher zu höheren Zinsbedingungen bereit waren als der Wohnungsbau. Dieses Verhältnis wird auch 1958 noch anhalten. Einen Umschwung erwartet die Bank erst im Jahr 1959. – Die Dividende des im Mehrheitsbesitz der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, München, befindlichen Instituts wird für 1957 von 9 auf 10 v.H. heraufgesetzt. C. B.