Mit einem Mißklang endete am Sonntagabend die 5. Internationale Skiflugwoche in Oberstdorf im Allgäu, nachdem im Laufe der Veranstaltung teilweise hervorragende Leistungen erzielt worden waren. Als bei der Ehrung des aus der Sowjetzone gekommenen Siegers Helmut Recknagel, der sich mit seinem Erfolg an dem finnischen Weltmeister revanchierte, die Oberndorfer Blaskapelle auf dem mit Fackeln beleuchteten Marktplatz Haydns Deutschlandlied statt Hanns Eislers Arbeiterhymne (Text: Johannes R. Becher "Auferstanden aus Ruinen") intonierte, blieben die sowjetzonalen Teilnehmer demonstrativ auf ihren Bänken sitzen. Es nützte auch nichts, daß sich eine Gemeindeabordnung bei den sächsichen Funktionären ob des Irrtums der Musikkapelle entschuldigte – die tief in ihrem Staatsbewußtsein Gekränkten erschienen nicht mehr zum Abschlußbankett.

Zu den Skiweltmeisterschaften in Bad Gastein waren noch die beiden deutschen Mannschaften friedlich vereint unter einer Fahne einmarschiert. Dieses politische Tauwetter auf sportlicher Ebene aber hatte Pankow dazu veranlaßt, Renner, einen besonders linientreuen Funktionär, der Skimannschaft mitzugeben. Und der nutzte den Lapsus der Oberstdorfer Musikanten weidlich aus; monatelange Bemühungen der bundesdeutschen Sportfunktionäre, die Beziehungen zur Zone zu normalisieren, scheinen umsonst gewesen zu sein. r.k.