Noch bevor die Sammlung des Bochumer Industriellen Karl Gröppel der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war im Ruhrrevier schon allerhand Staub aufgewirbelt, Wir wollen die Wortfecntereien der konkurrierenden Städte nicht noch einmal durchhecheln, denn mit dem Einzug der Gröppelschen Kunstwerke in das Dortmunder Museum am Ostwall sind die Kontroversen verstummt.

Immerhin hat der Streit über Handelswert und kunsthistorische Bedeutung der von Gröppel gesammelten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts seiner Kollektion schon im voraus eine große Publizität verschafft. Ein Manager der public relations hätte keinen effektvolleren Auftritt inszenieren können.

Wie immer man auch über den Rang der Sammlung, ihren Marktpreis und über ihr ausschließliches Gebiet, den deutschen Expressionismus, denken mag, so steht doch fest, daß die Sammlung für – das Dortmunder Museum eine glänzende Bereicherung und eine willkommene Erweiterung des Bestandes bedeutet. Frau Dr. Leonie Reygers, die seit Jahren mit Charme, Tatkraft und weltoffener Umsicht ihr Museum dirigiert, darf diese Akquisition als einen Triumph feiern. Schließlich fallen bei uns in Deutschland nicht so häufig Privatsammlungen in den Schoß der Museen, auch nicht gegen Bezahlung, wie es im glücklicheren Amerika immer wieder (gratis) geschieht.

Die Sammlungen Haubrich im Kölner Wallraf-Richartz-Museum und Domnick in der Stuttgarter Staatsgalerie sind doch rühmliche Ausnahmen von der hier geltenden Regel, man müsse das zusammenhalten, was man mit Fleiß, Bedacht und Geld beieinandergebracht hat. Allerdings hilft in Amerika der Gesetzgeber mit der hohen Besteuerung Erblassern und Stiftern von Kunstschätzen so kräftig nach, daß den Sammlern oft nichts anderes übrigbleibt als die Flucht ins Museum. In Dortmund mußten dagegen die öffentliche Hand und die Hand eines privaten Kunstfreundes tief in ihre Taschen greifen, um die Sammlung Gröppel für ihre Stadt zu sichern.

Zweifellos wird die Privatsammlung das Ansehen des Museums erhöhen. Sie wird aber auch ihren Charakter als persönliche Sammlung eines Kunstfreundes aufgeben müssen. Damit will ich keine juristischen Fragen anschneiden, sondern nur die rückhaltlose Einverleibung der vordem privaten Kunstwerke in den Organismus eines Museums empfehlen.

Die ehemalige Privatsammlung soll dabei nicht ihre Geschichte und ihre Identität verlieren, aber sie darf ebensowenig unter "Denkmalschutz" stehen und unantastbar sein. Dann wirkte sie wie ein Schrebergarten in einem öffentlichen Park.

Die Sammlung Gröppel trifft im Museum am Ostwall auf einen Grundstock verwandter Werke, der klein, aber mit Qualitätsgefühl aus dem Nichts aufgebaut worden ist. Die Modersohn, Rohlfs, Kirchner, Heckel, Otto Müller, Schmidt-Rottluff, Pechstein, August Macke, Jawlensky, Lehmbruck, Barlach und Kollwitz sind bereits in trefflichen Exempeln vertreten und bilden eine feste Basis für das "erste Obergeschoß", das mit der Sammlung Gröppel dem Dortmunder Museum aufgestockt wird.