In vielen Fällen verdoppelt die Neuerwerbung die schon vorhandenen Forcen des Museums. Neue Positionen sind unbestreitbar die Bilder von August Macke, darunter das sonnenhelle, von Farbe und Daseinsfreude leuchtende Triptychon „Großer Zoologischer Garten“ und das köstliche skizzenartige Ölbild der „Reiter und Spaziergänger in der Allee“. Bereicherungen sind auch die beiden frühen Hofers, Kokoschkas jähe „Verkündigung“ von 1910–12, die Landschaft Noldes (als merkwürdig aktuell erscheinende Vorboten der „informellen Malerei“) und nicht zuletzt die stattliche Reihe der Gemälde von Jawlensky, der dem Hause Gröppel freundschaftlich nahestand.

Auch andere Maler, die bisher nur beiläufig gezeigt werden konnten, treten nun im Gesamten des Museums besser hervor, beispielsweise E. L. Kirchner, der mit drei Gemälden der Jahre 1918–1920 repräsentiert sein wird: hervorheben möchte ich die „Mondnacht auf der Staffel“.

Gröppel sammelte nicht nur Namen, sondern überhaupt die Phänomene des Expressionismus in vielseitigen Verästelungen und Nachwirkungen. Von der „Brücke“ und vom „Blauen Reiter“ ausgehend, schenkte er auch den westfälischen und rheinischen Nachfolgern des Expressionismus seine Aufmerksamkeit. So trifft man neben allerseits bekannten Meistern viele halb oder ganz vergessene Künstler.

Maler wie Morgner, Viegener, Thuar, Ophey, J. Thorn-Prikker oder Heinrich Nauen sind zwar den Kennern der rheinisch-westfälischen Malerei vertraut, aber wer erinnert sich noch an René Beeh (1886–1922), Otto Meister (geb. 1880), Carl Moritz Schreiner (1889–1948), Peter Stermann (1903–1945) oder Magnus Zeller (geb. 1882)?

Der Zuwachs an Skulpturen ist geringer an Zahl und Bedeutung. Gröppel besaß einen der eleganten, aber „schon zu späten“ Torsi Archipenkos, einige Porzellanfiguren von Barlach, deren Glätte das rauhe Pathos dieses Bildhauers verniedlicht, außerdem Statuetten von Kurt Edzard, Ludwig Gies, Georg Kolbe, Edwin Scharff, C. M. Schreiner und Renée Sintenis. Wie schade, daß er, der Freund der expressionistischen Malerei, an deren polychromer Plastik vorbeigegangen ist!

Stark und reichhaltig, wenn auch nicht systematisch ist dagegen die Graphikabteilung der Sammlung, in der außer Einzelblättern von Dix, Feininger, Marc und Kandinsky vor allem die Radierungen und Lithographien Beckmanns, darunter der vollständige Zyklus der „Berliner Reise“ von 1922, auffallen. Nach den Anteilen der Künstler zu schließen, hat der Sammler auch die Drucke von Barlach, Corinth, Großmann und Kubin besonders geschätzt.

Die charaktervolle Einseitigkeit der Sammlung wird aber vermutlich die Initiative des Museums anspornen, den durch die Sammlung Gröppel erlangten Vorsprung des Expressionismus – auf anderen Gebieten wieder aufzuholen.

Eduard Trier