DIE ZEIT

Papierschiffe bauten wir als Kinder aus bunten Faltblättern und ließen sie in der Badewanne schwimmen. Es waren diese Papierschiffe fragile Gebilde. Bei ihrer Konstruktion kam es auf die Kniffe an – sonst kenterten sie. Bei dem Papierschiff, von dem hier die Rede ist, fehlt’s an den Kniffen:

Ernestine Moor: "Das Papierschiff Verlag Kiepenheuer u. Witsch, Köln; 373 S., 15,80 DM.

Aber nicht nur das. Dieses Papierschiff hat überdies die Dimensionen eines Panzerkreuzers, wenn auch nicht dessen Tiefgang. Aber vom Bild zur Sache: Die Autorin, Ernestine Moor, wird dem Leser als eine "junge Frau" vorgestellt, und es bleibt ihm überlassen, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob es sich hier um ein Pseudonym handelt oder nicht, was freilich noch geheimnisvoller ist als ein zugegebenes Pseudonym.

Seinen Titel hat das "Papierschiff" von einem gleichnamigen Gedicht, das der Held der Geschichte einmal geschrieben hat, um einem Mädchen zu imponieren, das er seinem besten Freund abspenstig machen will. Um diese drei Figuren dreht sich der Roman vor allem.

Was sich da oft recht zähflüssig vor dem Leser hinbreitet, sind die Gedanken und Erinnerungen – in Ichform erzählt – des Helden, während rund vierundzwanzig Stunden.

Er ist ein ziemlich trüber Geselle, dieser Felix Neuhov – ehemaliger Pg., Agnostiker und Besitzer einer Frau, zweier Kinder sowie eines barbezahlten Autos. Irgendwann einmal hat er eine kleine Gaunerei begangen, die ihn aus der mittleren Beamtenlaufbahn warf.