In den Wochen des Suezkonfliktes waren die Inder geneigt, das von deutschen Firmen errichtete Hüttenwerk Rourkela im voraus zu bezahlen. Damals war dies der Bundesrepublik unangenehm. Den Lieferfirmen wurde deshalb bedeutet, das Angebot nicht’anzunehmen. Als dann später die vereinbarten Zahlungsfristen näherrückten, fiel es den Indern schwer, die für die Bezahlung notwendigen Devisen aufzubringen. Es kam darüber Ende Februar, nachdem lange Verhandlungen vorweggegangen waren, zu einem deutsch-indischen Abkommen, das der indischen Regierung ermöglichte, die Zahlung bis zu einem Gesamtbetrag von 660 Mill. DM um drei Jahre hinauszuschieben. Die deutschen Lieferfirmen konnten allerdings entsprechende Zahlungsziele nicht einräumen, weil sie auf den termingerechten Eingang der Gelder angewiesen sind.

Daher wurde eine Zwischenfinanzierung notwendig; an ihr beteiligten sich eine ganze Reihe von Stellen, Dennoch blieb ein Rest von 250 Mill. DM offen. Ihn übernahm die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Kunst der Bank ist es, bei solchen Geschäften die notwendige Gegenposition zu finden, denn mit eigenen Mitteln kann sie natürlich solche großen Finanzgeschäfte, nicht durchführen. Den tüchtigen Leuten bei der KfW hatte nun seit langem das in der Schweiz gut eingeführte Institut der Kassenobligationen in die Augen gestochen. Kassenobligationen sind festverzinsliche, mittelfristige Schuldverschreibungen von Geschäftsbanken. In der Schweiz werden solche Kassenobligationen an das private Publikum verkauft, Sie stehen dort in etwa an der Stelle, die bei uns die Sparkonten bei den Geschäftsbanken einnehmen. Ohne weiteres ließen sich daher auch die Kassenobligationen nicht auf deutsche Verhältnisse übertragen; der entsprechende Markt ist – wie gesagt – schon belegt. Die KfW aber erkannte ganz richtig, daß am Geldmarkt für Kassenobligationen ein Interesse vorhanden sein mußte. Die Finanzwelt sucht gegenwärtig nach mittelfristigen gutverzinslichen Anlagemöglichkeiten. Normalerweise werden sie durch auslaufende Anleihen geboten. Doch davon gibt es bei uns noch nicht wieder genügend.

Die KfW erkannte hier ihre Chance, Als sie die ersten Fühler nach dem Geldmarkt ausstreckte, zeigte sich eine überraschend große Nachfrage. Praktisch sind die Kassenobligationen der KfW schon untergebracht, und zwar bevor ihre Konditionen im einzelnen festgelegt sind. Das ermutigt die KfW dazu, gegebenenfalls auch weiterhin Kassenobligationen in den Dienst einer langfristigen Exportfinanzierung zu stellen, W. R.