Das Geschäftsjahr 1957 fing für die meisten Realkreditinstitute, so auch für die Rheinische Hypothekenbank in Mannheim, nicht gut an. Erst die Hausse am Rentenmarkt in der zweiten Jahreshälfte brachte eine Wende. Sie bot für Hypothekenpfandbriefe und Kommunalobligationen ausreichende Verkaufschancen, die das Mannheimer Institut auch voll nutzte. Die Bilanzsumme (im Vorjahr 422 Mill. DM) überschritt die 500-Mill.-DM-Grenze. Der Umlauf von Pfandbriefen, Kommunalobligationen usw. stieg um 87 Mill. DM auf über 400 Mill. DM. Dabei war der Anteil der Kommunalobligationen am Gesamtabsatz wesentlich größer als in der Vergangenheit. Das hängt mit dem Aktivgeschäft, d. h. mit der Hergabe der Darlehen durch die Bank zusammen. Die Gemeinden mit ihren großen Finanzbedürfnissen für öffentliche Bauten nutzten die vom Kapitalmarkt gebotenen Versciuldungsmöglichkeiten, während der für die Realkreditinstitute viel bedeutendere Wohnungsbau – in der Erwartung weiter fallender Zinsen – zurückhaltender ist.

Das Aktivgeschäft bestimmt jetzt die Beanspruchung des Kapitalmarktes durch die Hypothekenbanken. Auch bei der Rheinischen Hypothekenbank sind die von ihr aufgenommenen Mittel im wesentlichen durch Darlehenszusagen gedeckt. Der echte Überhang im Passivgeschäft beträgt nur wenige Millionen DM. Das Geld ging allerdings schneller ein, als es wieder ausgeliehen wurde. (Das ist heute bei allen Realkreditinstituten der Fall, weil zwischen Pfandbriefverkauf sowie der Darlehenszusage und der Auszahlung der Hypothek immer einige Monate liegen.) Entsprechend sind die baren Mittel, die als Ersatzdeckung des Wertpapierumlaufes dem Treuhänder übergeben werden mußten, mit 40 Mill DM gegenüber 26 Mill. DM im Vorjahr relativ hoch. Die vom Gesetzgeber festgelegte Umlaufsgrenze von 20 v. H. des Umlaufes für die Ersatzdeckung wurde jedoch nicht erreicht. Es können insoweit weitere Pfandbriefe verkauft werden. Der Umlauf stieß aber auf eine andere Grenze, und zwar jene, die durch die Relation zu den "Eigenen Mitteln" gezogen ist. Sie wurde durch eine Erhöhung der Rücklagen von 9 auf 11 Mill. DM nochmals hinausgeschoben. Nach Durchführung der vorgesehenen Kapitalerhöhung um 3,5 auf 10.5 Mill. DM wird ein günstiges Verhältnis wieder nach allen Richtungen hin hergestellt sein. Die Rücklagen entsprechen dann wieder 100 v. H. des Stammkapitals. Ihre Erhöhung um 2 Mill. DM erfolgte aus den versteuerten Gewinnen. Man sieht, wie gut die Ertragslage war. Es verblieb dennoch ein Reingewinn, der eine Erhöhung der Dividende von 9 auf 10 v.H. gestattet. In ihrer Einladung zur Hauptversammlung sagt die Verwaltung nichts über den von ihr vorgesehenen Ausgabekurs für die jungen Aktien. Man sollte annehmen, daß die Aktionäre im Hinblick auf die gute Ertragslage ein Anrecht auf eine Pariemission haben. Ri.