Die Frankfurter DIVO, ein Institut für Sozialforschung, hat kürzlich die politischen Auffassungen der westdeutschen Jugend untersucht. Besonders eingehend wurde dabei das Verhältnis der westdeutschen Jugend zum Kommunismus betrachtet.

Hier einige Ergebnisse:

Nahezu die Hälfte der Jugendlichen befürwortet das Verbot der KPD, nur ein Drittel lehnt es ab. Noch deutlicher zeigt sich die Abneigung gegenüber dem Kommunismus darin, daß zwei Drittel aller Jugendlichen "starke Bedenken" haben würden, einem Kommunisten eine einflußreiche Stellung in der Bundesregierung einzuräumen. Die jungen Leute mißtrauen den Kommunisten noch mehr als früheren führenden Nationalsozialisten, die allerdings an zweiter Stelle folgen.

Um so erstaunlicher aber wirkt, daß die Jugendlichen für die nächsten Jahre eine Zunahme des kommunistischen Einflusses in der Welt voraussagen. Welche Bedeutung dies hat, kann man ermessen, wenn man die Meinung der Jugendlichen mit der Meinung der Erwachsenen vergleicht. Wie aus einer anderen Umfrage hervorgeht, glaubt nämlich nur ein Fünftel der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik, daß der Einfluß des Kommunismus in der Welt zunehmen wird; von den Jugendlichen glauben dies aber zwei Fünftel. Und hier die Probe: rund zwei Fünftel der Bevölkerung sind der Ansicht, daß der kommunistische Einfluß abnehmen wird; aber von den Jugendlichen nur ein Fünftel. Doppelt soviel Jugendliche wie Erwachsene räumen den Kommunisten also für die nächsten Jahre gute Chancen ein.

Darf man aber daraus schließen, daß die Söhne eher geneigt sind, mit dem kommunistischen System zu liebäugeln als ihre Väter? Ganz im Gegenteil. Es ist wohl vielmehr die allem Wunschdenken abholde Nüchternheit der "skeptischen Generation", die sie glauben läßt, daß man den Kommunismus gar nicht so leicht eindämmen kann, wie ihre Väter und Mütter es wahrhaben möchten. Diese jungen Menschen sind aber auch bei der Beurteilung von Menschen vorsichtiger, zurückhaltender: Jeder zweite von ihnen hält es nämlich für möglich, daß ein überzeugter Kommunist auch zugleich ein guter Deutscher sein kann. A. S.