hst./Bonn

Der Ortsverein der SPD stellt sich hinter die Demonstranten, die gegen das Auftreten des Gustav Adolf Gedat MdB vor der Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitik des DGB, Kreisausschuß Bonn, protestierten. Der Ortsverein Bonn der SPD beauftragt den Vorstand, mit dem Kreisvorsitzenden des DGB Verbindung aufzunehmen und zu klären, wie es zu dem Auftreten der Gustav Adolf Gedat kommen konnte.“ Diesen Beschluß faßten die Mitglieder des SPD Ortsvereins Bonn auf ihrer letzten Ordentlichen Mitgliederversammlung. Seitdem sind sich der Ortsverein Bonn der SPD und der Kreisausschuß Bonn des DGB, die bis dahin in schöner Solidarität – wie es im Fachjargon heißt – zusammengearbeitet hatten, spinnefeind. Auch der zweite Satz der Entschließung hat bis jetzt nichts daran geändert. Denn der Kreisvorsitzende des DGB Bonn, Goffart, ist der Meinung: „Da gibt es nichts zu klaren ...“ Und: „Wenn das Demokratie ist, dann bin ich kein Demokrat mehr.“

Tatsächlich weiß auch die SPD genau, wie „es zu dem Auftreten des Gustav Adolf Gedat kommen konnte“. Der DGB hatte nämlich in seinen sogenannten Bildungsveranstaltungen im Winterhalbjahr 1957/58 in der „Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitik“ das Thema „Die sozialen Probleme in Afrika“ vorgesehen. Der DGB-Kreisvorstand bat die Deutsche-Afrika-Gesellschaft e. V., einen Referenten zu nennen. Von dort wurde Gustav Acolf Gedat vorgeschlagen, laut Handbuch des Deutschen Bundestages „Schriftsteller, Abgeordneter der CDU/CSU, geboren 1903 in Potsdam, evangelisch, 1918 Führungsarbeit in der freideutschen und christlichen Jugendbewegung Deutschlands und der Oekumene, Verbindungsmann Oekumene des YMCA (Europa, Amerika, Asien, Afrika). Nach 1945 Bundessekretär des Evangelischen Jungmännerwerkes Deutschlands, Exekutive des YMCA (Genf), stellvertretender Vorsitzender des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschlands, Geschäftsführender Präsident der International Christian Leadership (deutscher Zweig), Vizepräsident International Council for Christian Leadership, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung überkonfessioneller, überparteilicher und übernationaler Zusammenarbeit“.

Was nicht im Handbuch des Deutschen Bundestages zu lesen ist, das wußte die SPD-Genossin und DGB-Kollegin Inge Deutschkron zu ergänzen, die vor Gedat mit einem Vortrag „die sozialen Probleme in Asien“ am Rednerpult der „Arbei;sgemeinschaft Sozialpolitik“ stand. Und da Inse Deutschkron in der Nazizeit sämtliche Angehörige in Gaskammern verloren hatte, weil sie jüdischer Abstammung waren, und auch selber mit mit knapper Not dem Terror entgangen war, hielt sie es für angebracht, ihre Kollegen beim Kreisvorstand schon am Tage vor der Veranstaltung auf jene biographischen Züge hinzuweisen. Sie legte das vor, was der DGB-Bildungssekretär in Bonn, Eberhard Schmall, heute schlicht „Äußerungen“ nennt, „die er (Gedat) in den Jahren 1923 bis 1935 gemacht hatte“. Wörtlich sehen diese Äußerungen so aus:

„ Gott hat etliche zu Jägern über das jüdische Volk bestellt, es zu jagen und dorthin zu bringen, wo Gott es haben will!“

‚Kampf ist entbrannt um alle die letzten Fragen um Blut und Rasse, Volk und Gott. Mit deutscher Gründlichkeit ringt deutscher Mensch mit Deutschem um Klarheit über unser Sein und unsere Sendung. Das ist echt deutsch.“