Es mag dem Botschafter Knappstein nicht leicht geworden sein, die schöne, repräsentative Rolle in Madrid, die sich so leicht nach eigenen Vorstellungen und Wünschen gestalten ließ, mit der ärgerbeladenen, aufreibenden Aufgabe in Bonn zu vertauschen. Und nicht sehr viel anders wird es bei dem Generalkonsul in Hongkong, Dittmann, gewesen sein. Schließlich wird ja der unbequemere Inlandposten auch noch schlechter bezahlt. Aber es lockte die Karriere: Unterstaatssekretär.

Just damit aber hatte Dr. von Brentano mehr versprochen, als er halten konnte. Er hatte, obwohl er lange genug Chef der CDU/CSU-Fraktion gewesen war, seine Pappenheimer offenbar doch nicht richtig eingeschätzt. Jedenfalls hatte er sie nicht richtig behandelt, und das rächte sich nun. Er hatte sich nur nach der einen Seite vorgetastet: zum Regierungschef, nicht nach der anderen: zu den Parlamentskollegen, nicht einmal den vor der eigenen Fraktion. Vermutlich hat er auch den frischgebackenen Legationsrat 1. Klasse, Dr. Rudolf Vogel,nicht ganz richtig beurteilt. Der Haushaltsexperte Vogel machte nämlich dem Legationsrat Vogel und den Wünschen, die an diesen herangebracht wurden, keine Konzessionen.

Vogel und seine Freunde im zuständigen Arbeitskreis der CDU/CSU tischten einige Argumente auf, die auch auf den Bundeskanzler ihren Eindruck nicht verfehlten. Das stärkste war wohl dieses: es würde mit der Errichtung von Unterstaatssekretariaten eine neue Rangstufe geschaffen werden, und dies würde vermutlich bald ähnliche Forderungen anderer Ministerien zur Folge haben. Man hätte nichts, so sagten die CDU-Experten, gegen die Ernennung eines zweiten Staatssekretärs einzuwenden. Gerade das aber wollte der Außenminister nicht. Zwei gleichrangige Staatssekretäre – das hätte zu Rivalitäten führen können, die er scheute.

Der Haushaltsausschuß des Bundestages hat sich mit der Sache noch nicht befaßt. Zur Zeit wird noch immer der Streit im Schoße der CDU/CSU ausgetragen. Unter anderem wurde der Vorschlag gemacht, die beiden als Ministerialdirektoren mit einer Funktionszulage in das Auswärtige Amt einziehen zu lassen. Wobei wieder darum gestritten wird, ob die Funktionszulage in die Pensionsberechnung einbezogen werden soll oder nicht. Hätte sich Brentano rechtzeitig mit dem Parlament in Verbindung gesetzt, dann wäre die Angelegenheit für ihn vermutlich besser gelaufen. Daß sich das Parlament wenigstens gelegentlich seiner Macht bewußt ist, bleibt auch dann zu begrüßen, wenn man den Eindruck hat, daß möglicherweise auch noch andere als die vorgegebenen Gründe zur Versteifung der Haltung der Abgeordneten beigetragen haben könnten.

Generalkonsul Dittmann ist inzwischen in Bonn eingetroffen. Knappstein wird in Kürze erwartet. Wann sie mit ihrer Arbeit beginnen, ist unklar. R. S.