In der letzten Woche haben wir uns, meine verehrten Leser, über Rentenrendite unterhalten und dabei festgestellt, daß man sich beim Kauf festverzinslicher Werte nicht allein von einem möglichst hohen Nominalzinssatz leiten lassen darf, sondern daß man vor allem Steuergesichtspunkte zu berücksichtigen hat. Das ist beim Aktienkauf weniger der Fall. Alle Dividenden unterliegen dem Vorwegabzug einer 25prozentigen Kapitalertragsteuer. Sie ist, wie Sie sicherlich wissen, nur eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer. Ihre Verrechnung geschieht bei der Veranlagung zur Einkommensteuer. Liegen Sie hier in der Spitze über einem Satz von 25 v. H., so müssen Sie entsprechend nachzahlen; im umgekehrten Falle wird Ihnen der zuviel gezahlte Betrag angerechnet. Lohnsteuerpflichtige müssen sich, wenn sie eine Verrechnung der Kapitalertragsteuer wünschen, „veranlagen“ lassen. Sparer, die dem Vorwegabzug entgehen wollen, erwerben zweckmäßigerweise Investment-Zertifikate, denn die Investment-Fonds sind in der Lage, die vereinnahmten Dividenden voll an die Zertifikatsbesitzer weiterzugeben. Diese müssen dann die Einkünfte aus den Zertifikaten ihrem jeweiliger Einkommen gemäß versteuern. Es handelt sich hier also um einen Parallelfall zu den neuen tarifbesteuerten festverzinslichen Wertpapieren.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich Sie gleich zu Beginn unseres Gesprächs mit steuerlichen Fragen überfallen habe, doch lassen sich diese Dinge nun leider bei einer Ersparnisanlage nicht ganz ausklammern, obwohl ich der Ansicht bin, daß es gefährlich ist, alle Vermögensdispositionen nur aus dem Blickwinkel momentaner Steuerersparnis zu treffen. Nur zu leicht wird in solchen Fällen das ebenso wichtige Problem der Sicherheit vernachlässigt.

Wenn Sie sich selbst ein gut gemischtes Aktienportefeuille zusammenstellen wollen, dann ergibt sich zunächst die Frage, was Sie von Ihrem Wertpapierbesitz verlangen. Liegt Ihnen an einer möglichst hohen Rendite (sie ist die Verzinsung des tatsächlich angelegten Geldes), suchen Sie die Chance, Kursgewinne zu erzielen, oder ist Ihnen an einer Substanzanreicherung gelegen? Für jeden dieser Wünsche lassen sich typische Papiere finden. Natürlich ist damit nicht gesagt, daß mit ausgesprochenen Renditepapieren nicht auch Kursgewinne erzieltwerden können, oder daß sich bei ihnen überhaupt keine Substanzanreicherung vollzieht. Klare Trennungsstriche lassen sich in dieser Beziehung bei den Aktien nicht ziehen. Man kann bei der Anlage lediglich versuchen, gewisse Schwerpunkte in dieser oder jener Richtung zu bilden.

Der Kleinsparer bzw. derjenige, der anfängt, Aktienbesitz zu erwerben, wird gemeinhin Wert auf eine gute Verzinsung seines angelegten Kapitals legen. Wer allein darauf ausgeht, Kursgewinne zu erzielen, begibt sich auf das recht glatte Parkett der Spekulation, was keinem Anfänger zu empfehlen ist. Der Wunsch nach Anreicherung der Substanz wird zur Zeit hauptsächlich nur von Großanlegern geäußert, die keinen Wert auf zusätzliches Einkommen aus Dividendenausschüttungen legen, weil dies bei ihnen sehr hohen Steuersätzen unterliegt. Diese Kreise sehen es deshalb lieber, wenn ein Unternehmen alle nur möglichen Abschreibungsmöglichkeiten und sonstige Gelegenheiten zur Vermeidung von Gewinnen (die bei der Gesellschaft ja auch versteuert werden müssen) wahrnimmt. Auf diese Weise wird die Substanz angereichert, ein Zustand, der auf die Dauer nicht ohne Einfluß auf den jeweiligen Aktienkurs bleibt.

Bleiben wir heute einmal bei den Aktienrenditen. Grundsätzlich: Es ist keinesfalls so, daß Aktien, auf die hohe Dividenden ausgeschüttet werden, auch eine hohe Rendite eintragen. Bai den meisten Standardpapieren liegt die Rendite zwischen fünf und sechs v. H. Ist sie höher oder niedriger, empfiehlt es sich nach der Ursache der Abweichung zu suchen. Dafür ein paar Beispiels:

Die Aktien der Deutschen Bank werden jetzt mit etwa 264 v. H. notiert. Rendite bei wieder 12 v. H. Dividende = 4,5 v. H. Warum dieser ver-

Handel bei schlechterem Verlauf eines Geschäftsjahres es sich durchaus leisten kann, einmal mit ihrer Dividende herunterzugehen oder sie gar ausfallen zu lassen, ist ein ähnliches Verhalten für eine einzelne Aktienbank keinesfalls möglich, wenn sie nicht Gefahr laufen will, erheblichen Schaden in ihrem Ansehen und ihrem Kredit zu erleiden. Infolgedessen müssen die Banken ganz anders als die Aktiengesellschaften der Industrie oder des Handels eine vorsichtige, darum aber auch stabilere Dividendenpolitik sich angelegen sein lassen.“ gleichsweise niedrige Satz? In dem heutigen Kurs ist noch eine Dividende von 12 v.H. (wird Ende dieses Monats ausgeschüttet) und ein Bezugsrecht von etwa 31 v. H. enthalten.