Der Friedensschluß im Lohnkonflikt der Stahlindustrie hatte für den Aktienmarkt eine erlösende Wirkung. Wenngleich auch der Berufshandel kaum mit einem Streik gerechnet hatte (entsprechende Finanzdispositionen wurden bei keinem der beiden Kontrahenten beobachtet), so litt das Börsengeschäft doch sichtlich unter der Zurückhaltung der Kundschaft, vor allem auch der ausländischen. Die mehrere Wochen hindurch aufgestauten Kaufwünsche, die nach der zweiten Urabstimmung in der Stahlindustrie zur Erfüllung gebracht werden sollten, verursachten am Wochenbeginn in sehr vielen Aktienwerten einen kräftigen Rudi nach oben. Bezeichnenderweise aber nicht bei den Eisen-, Stahl- und Kohlepapieren. Die im Zuge der Lohnauseinandersetzungen hervorgekehrten negativen Momente, mit denen dieser Wirtschaftszweig gegenwärtig zu kämpfen hat, konnten selbstverständlich nicht ohne Einfluß nerte sich die Börse an das genehmigte Kapital (5:1) und hofft, daß von der Aufstockungsmöglichkeit im Laufe der nächsten Monate Gebrauch gemacht wird.

Bevorzugt wurden wieder die beiden großen Elektropapiere AEG und Siemens. Bei AEG steht noch ein Bezugsrecht aus (8 : 1). Die Durchführung der Kapitalerhöhung hat sich durch den Noldschen Protest verzögert. Ausgesprochene Favoriten waren in den letzten Tagen die verschiedenen Kaligesellschaften, die man allesamt reif für Gratisaktien hält. Kali-Chemie stiegen allein an einem Tage um 22 Punkte auf 310 v. H. Solche ungewöhnlichen Steigerungen sind jedoch nur wegen der in diesem Marktgebiet herrschenden Materialknappheit möglich. Aber auch Papiere mit relativ breitem Markt sind in den letzten Tagen in Bewegung gekommen, so z. B. RWE, wo sich zu Beginn der Woche ein Tagesgewinn von rund 10 Punkten ergab, ohne daß sich dafür eine stichhaltige Erklärung finden ließ. Wenn HEW jetzt die 140 v. H.-Grenze überschritten haben, dann wird das mit der Zurückziehung eines größeren Verkaufsauftrages begründet. Als Anlagepapier haben die HEW-Aktien zweifellos ihre guten Seiten; bei 140 v. H. errechnet sich (bei einer Dividende von 8 v. H.) eine Rendite von etwa 5,7 v. H.

Am Bankenmarkt hat die Aufwärtsbewegung bei den Großbankpapieren wieder eingesetzt. Mit ziemlicher Sicherheit werden diese Institute (unter Voraussetzung der Körperschaftsteuersenkung) für das laufende Geschäftsjahr Dividenden zahlen, die bei 14 bis 15 v. H. liegen. Dieser keineswegs aus der Luft gegriffene und durch verschiedene Verwaltungserklärungen untermauerte Optimismus rechtfertigt natürlich eine gewisse Bevorzugung dieser Papiere.

Am Rentenmarkt war an manchen Tagen die Nachfrage kaum noch drängend. In diesem Monat sollen für rund 443 Mill. DM siebenprozentige Anleihen aufgelegt werden (im März waren es nur 200 Mill. DM). Dazu kommen noch zahlreiche Pfandbrief- und Kommunalemissionen. Für Mai hat die Bundespost bereits eine Anleihe von 200 Mill. angekündigt. Das sind Beträge, die einen erheblichen Teil des Anlagebedürfnisses abschöpfen werden. Gleichzeitig wird damit offenkundig, daß die Zinssenkung künftig – wenn überhaupt – nur sehr langsame Fortschritte machen wird. Daran dürfte auch eine im Gespräch befindliche Diskontsenkung (im Mai?) nicht viel ändern. Kurt Wendt

In dem jetzt vorliegenden Geschäftsbericht der Philips-Glühlampenfabriken in Eindhoven (Holland) für das Jahr 1957 gibt die Verwaltung bekannt, daß sie den potentiellen Markt für die Aktien des Unternehmens stetig erweitern will, indem sie ihre auf die Einführung der Aktien an den Auslandsbörsen gerichtete Politik fortsetzt. An der Düsseldorfer Börse werden. die holländischen Philips-Aktien bereits im Rahmen des sogenannten Freiverkehrs (in DM pro 100 hfl) gehandelt. Jetzt verlautet, daß diese Papiere nunmehr an den großen deutschen Börsen zur „offiziellen Notiz“ zur Einführung gelangen sollen. Damit würde der deutsche Aktienmarkt um ein zweifellos sehr angesehenes Papier erweitert werden. Wichtig zu wissen ist, daß sich fast alle Aktien der N.V. Philips’ Gloeilampenfabrieken im Besitz der N.V.Gemeenschappelijk Bezit van Aandeelen Philips Gloeilampenfabrieken, Eindhoven, befinden, deren Aktien an den Börsen gehandelt werden.

Philips-Eindhoven verteilt für 1957 auf ein Stammkapital von 488,18 Mill. hfl wieder eine Gesamtdividende von 14 v. H. und auf das 144 Mill. hfl sechsprozentige Vorzugskapital wieder 7,6 v. H. Im Berichtsjahr ist der Umsatz zum erstenmal über die Drei-Milliarden-Grenze hinausgekommen, er stieg nämlich auf 3 177 Mill. hfl (+ 18 v. H.). Nach Abzug der Steuern betrug der Gewinn 187 Mill. hfl. Damit war er ebenfalls um 18 v. H. höher als in 1956. Interessant ist, daß der auszuschüttende Gewinn 51 v. H. des Gesamtgewinns beträgt. Es bleiben also 92 Mill. hfl für die „innere Finanzierung“ (Selbstfinanzierung) übrig. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet die Gesellschaft damit, ihren Kapitalbedarf decken zu können, ohne an den Kapitalmarkt herantreten zu müssen. Die Verwaltung ist für die Zukunft „gemäßigt optimistisch“. Sie gründet ihre Überzeugung darauf, daß – trotz der zu erwartenden weniger günstigen Entwicklung in der Weltkonjunktur (wie es im Bericht heißt) – den Erzeugnissen der elektrotechnischen und elektronischen Industrie in der modernen Gesellschaft auch weiterhin eine stets wachsende Bedeutung zukommen wird. Deshalb wird angenommen, daß im Jahre 1958 die Nachfrage nach Philips-Erzeugnissen zwar zunehmen wird, allerdings in erheblich geringerem Maße als in den vorhergehenden Jahren; während der ersten Monate dieses Jahres zeigte der Umsatz im Vergleich zu der entsprechenden Periode des Vorjahres einen bescheidenen Anstieg. (In der Bundesrepublik ist die Allgemeine Deutsche Philips Industrie GmbH, Hamburg, mit einem Kapital von 87,55 Mill. DM die Tochtergesellschaft der Eindhovener Muttergesellschaft.)

K. W.