Wir werden sehen:

Sonntag, 20. April, 15.00 Uhr: Das Wort „Expo“ könnte im deutschen Sprachbereich leichtsinnige Mißverständnisse hervorrufen. Zum Beispiel könnte sich die Phantasie in ein tiefes Zerwürfnis dieses Begriffes mit sich selbst, einen Zerfall und eine kühne Verdoppelung seiner beiden Teile vorstellen (nicht nur ex-ex). Ringelnatz hat es, nicht ganz unähnlich, in einem Gedicht mit dem italienischen Fluß Po gemacht. Wenn die Sendung aber „Expo 1958“ heißt und aus Brüssel kommt, so soll das Wort so viel wie Exposition oder Ausstellung heißen: Die Eurovision bietet den ersten Fernsehrundgang durch die Weltausstellung. Am Tage darauf, dem 21. April, 20.20 Uhr, wird unter dem Titel „Das gläserne Haus“ ein Rundgang durch den deutschen Pavillon in Brüssel gezeigt.

Dienstag, 22. April, 17.20 Uhr: Wen schert es schon, daß es eine „Jugendstunde“ ist, da man den großen Charakterspieler Ernst Deutsch zu sehen und zu hören bekommt. „Wie ich angefangen habe“ heißt die Sendung. – 20.50 Uhr: Heinrich Böll, der Romancier und Erzähler, hat auch Hörspiele (zum Beispiel „Die Spurlosen“) geschrieben. Täusche ich mich nicht, so hat ein gescheiter Dramaturg (ja, auch so etwas gibt es im Bereich des Sehfunks) den Einfall gehabt, Böll für das Fernsehen zu interessieren. Dies hier scheint die erste Frucht zu sein: das Fernsehspiel „Stunde der Wahrheit“. Unter Gustav Burmester spielt eine der großen Schauspielerinnen der Reinhardt-Zeit mit, die in den letzten Jahren in O’Neills Schauspiel „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ hinreißend war: Elisabeth Bergner.

Mittwoch, 23. April, 21.00 Uhr: Das Ballet Théâtre de Paris von Maurice Béjart hat in seinen szenischen Aufführungen auf der Bühne gezeigt, daß es den Stücken von Beckett, Jonesco, Schehadé verwandt ist. Im Fernsehen wird dieses Ballet Théâtre zeigen: „Sonate à trois“ (Sonate zu Dritt, nach Sartres „Geschlossener Gesellschaft“. Und l’Etranger (Der Fremde), ein Ballett von Béjart.

Wir werden hören:

Sonntag, 20. April, 15.25 Uhr, München: Was ist ein „Wasserkringel“? Für einen Balten ein Zipfel, an dem er eine ganze Welt aus der Tiefe der Erinnerung ans Tageslicht zieht. Der Balte Siegfried von Vegesack, der kürzlich 70 Jahre alt wurde, erzählt die Geschichte „Der Wasserkringel“ als Erinnerung an seine Kindheit. – 21.20 Uhr, NDR 3. Programm: Die elektronische Musik stellt schwierige Aufgaben. Zu den knifflichsten gehört die organische Verbindung von Instrumentalmusik und menschlicher Stimme. Voraussetzung ist, daß die Stimme „denaturiert“ wird – was durch Abtrennung der Obertöne geschieht. Krenek hat die Kombination vor zwei Jahren in dem kurzen elektronischen „Pfingstoratorium“ versucht. Der NDR bringt jetzt einen weiteren Versuch von Karlheinz Stockhausen: „Gesang der Jünglinge.“

Montag, 21, April, 22.30 Uhr, SWF (MW und UKW): Betrachtet man die Geschichte der Literatur unter inhaltlich-thematischen Gesichtspunkten, so gelangt man zu einer beschränkten Anzahl von Konfliktmöglichkeiten. Siegfried Lenz spricht in seinem Archetypen-Katalog von 13 Möglichkeiten. Seine Sendung im Nachtstudio heißt „Das Kabinett der Konflikte“. – 22.45 Uhr, Bremen: Hans Hartmann: „Max Planck und die Philosophie.“ – 23.00 Uhr, Stuttgart: Joan Mirò, der spanische Maler und Graphiker, wird am 20. April 65 Jahre alt. Erich Katzmann widmet ihm eine Sendung: „Durchgehender Zug ohne Aufenthalt.“