Wenn man die Aktienkurse der drei Commerzbank-Institute zum Maßstab nimmt, dann ist doch wohl der Schluß erlaubt, daß die Aktionäre (und darüber hinaus das anlagewillige Publikum) mit den Ergebnissen der Hauptversammlungen zufrieden gewesen sein mußten, denn in allen drei Werten kam es zu beträchtlichen Kurssteigerungen. Und tatsächlich war es auch so, daß – sieht man von den üblichen Attacken des Herrn Nold ab – die Hauptversammlungen einen relativ glatten Verlauf nahmen. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß ein glatter Verlauf auch gleichzeitig ein Verlauf ohne Diskussionen sein muß. Diskutiert wurde sowohl in Düsseldorf als auch in Hamburg und Frankfurt recht angeregt, wobei sich zeigte, daß die Verwaltungen den fragenstellenden Aktionären erfreulich weit entgegenkamen. Wenn allerdings – wie in Hamburg – die Aufschlüsselung der Ertragsposten bis in die „intimsten“ Einzelheiten gefordert wurde (was brachte das Sortengeschäft?), dann konnte der Vorstand zu Recht mit Rücksicht auf die Wettbewerbsposition der Bank die Auskunft verweigern.

Wie zu erwarten war, spielte in den Diskussionen die Dividende eine wesentliche Rolle, hauptsächlich in der HV der Commerzbank-Bankverein AG, Düsseldorf. Die Verwaltungen verteidigten ihren Dividendenvorschlag (wieder 12 v. H.) mit dem schon bekannten Argument: Reservenbildung ist ebenso wichtig wie eine hohe Dividende. Dabei kam den Verwaltungen natürlich der Dividendenvorschlag der Deutschen und der Dresdner Bank entgegen, die ebenfalls für das Jahr 1957 wieder 12 v. H. ausschütten wollen. Nicht ganz so glatt ging der Streit um die Vorstandsgehälter aus, in dem jetzt auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz einzugreifen scheint. Wir wiederholen: den Auseinandersetzungen über diese Frage wird ein großer Teil ihrer Schärfe genommen, wenn bereits in den Geschäftsberichten Aufschluß über die jeweiligen Veränderungen gegeben wird. Jeder gutwillige Aktionär wird verstehen, daß angesichts des gestiegenen Geschäftsumfanges die Zahl der Vorstandsmitglieder erweitert werden muß. Selbst wenn sich eine solche Vorstandsvergrößerung auch aus dem Geschäftsbericht entnehmen läßt, so würde es nichts schaden, wenn man dies bei den Vorstandsbezügen besonders vermerkt. Übrigens: Die Abfindung, die das Ex-Vorstandsmitglied beim Bankverein, Pankraz Geiselhart, in Höhe von 500 000 DM nach eineinhalbjähriger Tätigkeit erhielt, mußte zwangsläufig die Aufmerksamkeit der Aktionäre auf sich lenken, um so mehr natürlich, als der Fall Goergen noch keineswegs vergessen ist.

Daß die Frage, nach eventuellen Kapitalerhöhungen gestellt werden würde, war zu erwarten. Bei der Commerz- und Creditbank AG, Frankfurt/Main, lag die Sache klar, denn hier wird das Grundkapital um 10 auf 30 Mill. DM aufgestockt, was von der HV einstimmig gebilligt wurde. Die Commerz- und Disconto-Bank ließ erklären, daß eine Kapitalerhöhung weder beabsichtigt sei noch für erforderlich gehalten werde. Schwierigkeiten gab es beim Bankverein insofern, als Aktionäre auf das Ende vergangenen Jahres von der Verwaltung nicht dementierte Börsengerücht aufmerksam machten, wonach ein Bezugsrecht im Verhältnis 3:1 erwartet werden könne. Diese Version ist nicht Wirklichkeit geworden. Man kann wohl annehmen, daß es sich damals um ein Projekt gehandelt hat, das inzwischen im Zuge der umfangreichen Vorstandsveränderungen beim Bankverein zu den Akten gelegt worden ist.

Der Bankverein hat durch den Tod seines Vorstandsmitgliedes Dr. Fritz Höfermann einen schweren Verlust erlitten; mit dem 31. März ist Hans Erkelenz aus Altersgründen ausgeschieden, vorher hatte – wie schon erwähnt – Pankraz Geiselhart das Institut verlassen. Ob und wie sich die Tatsache, daß in relativ kurzer Zeit von vier ordentlichen Vorstandsmitgliedern drei ausgeschieden sind, auf die gesamte Geschäftspolitik des Instituts auswirken wird, bleibt abzuwarten, besonders im Hinblick auf das Problem der künftigen organisatorischen Gestaltung der Commerzbankgruppe. Die Anfrage eines Aktionärs, ob sich die Gruppe mit dem Gedanken eines späteren Zusammenschlusses beschäftigt, wurde in Frankfurt mit dem Hinweis beantwortet, daß „diese Angelegenheit sorgfältig geprüft werde“! Damit ist doch wohl angedeutet, daß zumindest einige leitende Persönlichkeiten der Commerzbank den jetzigen Aufbau noch nicht für unbedingt endgültig halten. Sicherlich ist es auch so, daß der dreigeteilten Gruppe die Optik der „kleinen Zahlen“ – besonders im Auslandgeschäft – nicht gerade nützlich ist. Aber noch ist der Weg für eine Vollverschmelzung offen. In Börsenkreiser wird bereits offen darüber diskutiert, daß er unter Umständen im nächsten Frühjahr (dann zum 31. Dezember 1958 rückwirkend) beschritten werden soll. K. W.