In der Rubrik „Wir finden schlecht“ brachte DIE ZEIT (Nr. 8/1958) die Meldung, daß ein Schüler aus einem Dorf bei Lüneburg wegen Beamtenbeleidigung zu Wochenendarrest verurteilt und von der Schule gewiesen wurde. Wir finden die Angelegenheit auch jetzt nicht besser, wo wir Näheres über den Fall wissen.

RH-Hamburg

Seit Alt-Ufas Zeiten gibt es jene Spezies des deutschen „Lustspielfilms“, in dem kesse Schüler biedere Bürger und Beamten hänseln. Derlei Stoffe sind von jeher sehr beliebt gewesen – besonders wenn Heinz Rühmann die Hauptrolle des bösen Buben spielte. Und die Erfolgsziffern solcher Filme sprechen dafür, daß ihre oft recht karge Komik auch denen gefällt, deren Ebenbilder da gefoppt werden.

Diese Filme sind meist nicht „wie das Leben eben spielt“ – aber zuweilen spielt sich im Leben ein frecher Schüler so auf wie im Film. So dieser Schüler aus Betzendorf bei Lüneburg. Nur fand es da keiner komisch.

Was hat er angestellt? Lesen wir es in der Urteilsbegründung nach: „Seit Jahr und Tag wird seitens des Zugpersonals und der Reisenden in den Zügen ganz erheblich über das schlechte Benehmen der Fahrschüler geklagt. Der Angeklagte, der täglich von Amelinghausen nach Lüneburg und zurück fuhr, hat sich in dieser Richtung besonders hervorgetan.“

Was tat er? Er hatte die Bahnschaffner zum besten und machte sie zum Gespött der Reisenden. Kam der Schaffner, die Fahrkarten zu kontrollieren, so sagte er, er könne seine Karte nicht finden. Der Schaffner wartete zunächst ab, ging dann in ein anderes Abteil, kam zurück und fragte: „Haben Sie Ihre Fahrkarte jetzt gefunden?“ Aber die Fahrkarte fand sich nicht. Der Schaffner kam zweimal zurück, kam ein drittes Mal und wollte schließlich „weitere Maßnahmen ergreifen“. In diesem Augenblick zog dann der Siebzehnjährige unter dem Beifallsgelächter der Mitreisenden die Fahrkarte aus der Tasche.

Solcher Beifall macht ehrgeizig. Darum dacite sich der – übrigens damals schon in einem Biief an seine Eltern verwarnte – Schüler immer neue Scherze aus, um seinen Ruf als Alleinunterhalter des Abteils zu sichern. In der Urteilsbegründung wird das so beschrieben: