DIE ZEIT

gg., Hamburg

„Interviewer gesucht. Gute Verdienstmöglichkeiten!“ Diese Anzeige stand vor einigen Wochen in einer Hamburger Tageszeitung. Ein junger Student, der sich ein paar Mark nebenbei verdienen wollte, bewarb sich ohne Verzug. Nach vier Wochen flatterte ihm ein dicker Umschlag ins Haus. Absender: Institut für Absatzforschung

Freudig erregt las der Student, daß die Firma seine Bewerbung annehmen und ihm gute Verdienstmöglichkeiten bieten wolle – wenn... ja, wenn er die drei beigefügten Fragebogen ausgefüllt zurücksende. In ihnen wurde Auskunft darüber verlangt, wie viele Elektrogeräte jeder Art im Haushalt in Betrieb seien (welche Marke, wann gekauft, wo gekauft, wie teuer gekauft), wieviel der Hausherr verdiene, und wo das Radio stehe.

So an die 100 Fragen wollten da beantwortet sein. Also rannte der „Interviewer-Bewerber“ treppauf, treppab. Sechsmal ließ die Hausfrau ihn nicht einmal in die Wohnung, viermal hielt man ihn für einen cleveren Einbrecher, der erkunden wollte, ob sich ein Einbruch lohne... Erst nach vieler Lauferei und nach vielem Ärger hatte er endlich die drei „Absatzforschungs-Fragebogen“ voll und schickte sie an die Auftragsfirma in W. zurück.

Für diese „Interviews“ gab es aber noch kein Geld, denn sie sollten Zeugnis ablegen, ob der Bewerber überhaupt geeignet sei, für das „Institut“ zu arbeiten.

Nach 14 Tagen kam dann ein faksimiliertes Schreiben, das kurz mitteilte, daß der Bewerber doch nicht der richtige „Interviewer“ sei und das Institut für Absatzforschung auf weitere (dann bezahlte) Mitarbeit verzichte!

Es bleibt nur noch die Frage, wie viele Bewerber auf diese Anzeige geschrieben haben und wie viele ausgefüllte „Prüfungsfragebogen“ dem Institut kostenlos zugingen. Eine „Absatzforschung“ auf Probe sozusagen, die dem „Institut“ nur die Anzeigengebühr und das Porto kostete – die Firma scheint den Frage-Bogen herauszuhaben.