Eine bezeichnende und auffallende Eigenheit des französischen Buchmarktes sind die vielen Reihen gleichmäßig aufgemachter Bände, unter einem Generalthema zu Kollektionen und Serien zusammengefaßt, doch keineswegs einförmig in Stil und Inhalt.

Ein spezifisches Beispiel ist die bei der Librairie Hachette, jenem alten Pariser Verlagsunternehmen, bei dem der junge Emile Zola die Public Relations besorgte, erscheinende Mammut-Serie La Vie quotidienne – „Das alltägliche Leben“ – nämlich in Babylon und Ägypten in frühester vorchristlicher Zeit; im Griechenland Homers und im antiken Rom; bei den Inkas und Azteken; in England in den Tagen Shakespeares und der ersten Queen Elizabeth; in den USA am Vorabend des Sezessionskrieges. Daß der jeweiligen Regierungszeit von Ludwig dem Dreizehnten, Vierzehnten, Fünfzehnten, Sechzehnten, der Großen Französischen Revolution, der napoleonischen Kaiserzeit und dergleichen mehr, daß überhaupt den französischen Belangen breitester Raum zugestanden ist, versteht sich hier von selbst.

Insofern ist diese von erstrangigen Sachkennern verfaßte Hachette-Serie eine ausgezeichnete Informationsquelle für jeden, der sich über Frankreichs Geschichte und typische Züge des Franzosentums anschaulich und originell unterrichten will. Andererseits zeigt der jüngst erschienene Band über das alte Karthago:

Gilbert et Colette Charles-Picard: „La Vie quotidienne à Carthage au temps d’Hannibal.“ Hachette, Paris. 272 S.

wie Sachkunde und Darstellungsgeschick auch einen weit entlegenen Bereich gegenwärtig zu machen vermögen.

Deutschland aber? Unter den bis jetzt vorliegenden dreiundzwanzig Bänden der Serie ist es zwar nicht vertreten, aber zu den neun angekündigten Fortsetzungsbänden zählt immerhin einer – über das Deutschland der Romantik („... en Allemagne romantique“). Ferner erscheint ein Band über Wien zur Zeit Mozarts und Schuberts, und zwar aus der Feder des bekannten Akademie-Preisträgers Marcel Brion.

Nicht – wie die Hachette-Serie – der Kulturgeschichte (in jenem universalen Sinn, den Karl Lamprecht ihr gab), sondern der geistigen Orientierung im Gedränge unserer heutigen „in voller Umwandlung begriffenen“ Zivilisation widmet die Librairie Arthème Fayard ihre von akademischen Autoritäten und Wissenschaftlern bestrittene Kollektion „Les Idées et la Vie“. Von den zwei neuesten hierher gehörenden Flugschriften und Traktaten: