Von Alfred Kantorowicz

In seinem Artikel „Die Ostausgabe von Heinrich Mann minus Alfred Kantorowicz“ (DIE ZEIT Nr. 7) hat Professor Ludwig Marcuse erwähnt, daß der kürzlich im Aufbau-Verlag erschienene Roman Heinrich Manns „Die Jagd nach Liebe“ ohne das „den Leser orientierende Nachwort“ von Professor Kantorowicz veröffentlicht wurde. Kantorowicz hat uns mitgeteilt, daß der Band mit Nachwort bereits im Druck war, als er im August vorigen Jahres flüchten mußte, aber erst ausgeliefert wurde, nachdem man ihn „gereinigt“ hatte. Hier drucken wir das unterschlagene Nachwort in gekürzter Form ab.

Der erste Hinweis auf die Beschäftigung mit dem Stoff zu seinem Roman „Die Jagd nach Liebe“ findet sich in einem Brief Heinrich Manns an seinen Verleger Albert Langen vom 2. Dezember 1900, in dem es heißt: „... für fernere Tage nehme ich wieder einen Millionärsroman in Aussicht, nämlich den Roman der zweiten Generation, derer, die’s durchbringt. Ich wüßte gerne, ob die Geschichte des Max Lebaudy schon bearbeitet ist? Eventuell würde ich mir die Prozeßberichte und anderes Material verschaffen. Aber das hat ja Zeit.“

Der in diesem Brief genannte „Max“ Lebaudy ist vermutlich ein reicher französischer Abenteurer namens Jacques Lebaudy, der um die Jahrhundertwende durch seine phantastischen Pläne einer Kolonisierung der Sahara – er nannte sich zum öffentlichen Gespött „Jacques I, Kaiser der Sahara“ – viel von sich reden machte. Albert Langen ermutigte Heinrich Mann in seiner, 12. Dezember 1900 datierten Antwort aus Paris, sich an diesen Stoff zu wagen:

„Ich kann Ihnen übrigens das ganze Prozeßmaterial von Lebaudy verschaffen (die Acten). Der Stoff ist hier nicht behandelt. Der Plan es zu thun ist ausgezeichnet. Dazu müßten Sie aber ein Jahr in Paris leben ...“

Der Brief enthält zudem den bemerkenswerten Satz: „Sie sollten versuchen, der deutsche Maupassant zu werden...“ In späteren Briefen und Materialien, soweit sie für uns greifbar waren, ist von Lebaudy nicht mehr die Rede. Heinrich Mann hat die Handlung seines Romans nach München verlegt; sein fragwürdiger Held ist der kraftlose Erbe eines reich gewordenen Münchener Grundstücksspekulanten.

Der Roman erschien, mit der Jahreszahl 1903 versehen und mit einer Umschlagszeichnung von Thomas Theodor Heine, in einer ersten Auflage von 2000 Exemplaren im Albert Langen Verlag.