Ernst Lautz hat sich oft auf das „gesunde Volksempfinden“ berufen. Das war damals, als er noch als Oberreichsanwalt beim „Volksgerichtshof“ diejenigen an den Galgen brachte, die gegen den Tyrannen waren. Ihm konnte es nicht grausam genug zugehen bei den Hinrichtungen jener Patrioten. Jahrelang hat die Bundesrepublik diesem Manne eine Pension ausbezahlt. Endlich nun hat die Disziplinarkammer in Kiel ihr Urteil gegen Lautz gesprochen. Dem „gesunden Volksempfinden“, um mit Lautz zu reden, erscheint es viel zu milde. Zwar wurden ihm seine Beamtenrechte aberkannt. Aber er soll auch in Zukunft noch einen Unterhaltsbeitrag von mehr als 700 DM monatlich erhalten. Das ist eine beträchtlich höhere Summe, als sie den meisten Hinterbliebenen der Opfer des Naziregimes zuerkannt wurde. Warum so viel Rücksichtnahme auf den Henker Hitlers? Wir hoffen, daß der Disziplinarhof in Berlin jeglichen Unterhaltsbeitrag für Lautz streichen wird. Der Bundesdisziplinaranwalt wird doch wohl den entsprechenden Antrag stellen? R. S.