Auch die Hoesch-Werke AG, Dortmund, weist trotz Umsatzausweitung und Produktionssteigerungen auf ein gegenüber dem Vorjahr verschlechtertes wirtschaftliches Ergebnis hin. Zwar ist das Unternehmen auf Grund seines Produktionsprogramms nur in einem verhältnismäßig bescheidenen Umfang am Exportgeschäft beteiligt und hat dementsprechend auch den Erlöseinbruch auf den Auslandmärkten nicht in so scharfer Form zu spüren bekommen wie andere Werke dieses Wirtschaftszweiges, aber erhebliche Kostenerhöhungen haben im vergangenen Geschäftsjahr nicht durch Rationalisierungserfolge des Berichtjahres und der vorangegangenen Jahre ausgeglichen werden können. Darauf macht der Geschäftsbericht der Hoesch-Werke aufmerksam, der jetzt mit dem Abschluß des Jahres 1956/57 (30. 9.) veröffentlicht wird.

Bemerkenswert – wenn auch nicht typisch für den Gesamtkonzern – ist die Rechnung bei der Hoesch – Westfalenhütte, deren Umsatz in der Berichtszeit um 119,5 Mill. DM gestiegen ist. Demgegenüber betrug aber auch der Mehraufwand für Erze, Schrott und Brennstoffe 116,7 Mill. DM und für Löhne und Gehälter einschließlich der gesetzlichen sozialen Abgaben 13,2 Mill. DM. Auf diese Weise ist ein Loch in der Ertragsrechnung entstanden, über dessen absolutes Ausmaß allerdings nichts ausgesagt werden kann. Denn der Vorstand des Unternehmens – der die Angaben zum Jahresabschluß im übrigen besonders aufgeschlossen und publizitätsfreudig in einer Pressekonferenz ergänzte – hat sich darauf beschränkt, zu dieser Frage nur relative Zahlen beizusteuern, so daß eine echte Brutto-Ertragsrechnung im Hoesch-Bereich noch der Zukunft (oder einer gesetzlichen Regelung) vorbehalten bleibt.

So war in Dortmund zu hören, daß der wirtschaftliche Ertrag der Hoesch-Werke im Berichtsjahr um 8,2 Mill. DM unter dem des Geschäftsjahres 1955/56 lag. Dennoch dürfte das ein gutes Ergebnis sein, da ja die vorangegangenen Jahre allenthalben „volle Scheunen“ gebracht haben. Mit dem Dividendenvorschlag geht das Unternehmen nicht über die Vorjahrsausschüttung hinaus. Es bleibt bei acht v. H. auf das dividendenberechtigte Aktienkapital von 372,8 Mill. DM.

Die Frage, ob auch die Bergbaugesellschaften des Konzerns die achtprozentige Dividende verdient hätten, wurde seitens des Vorstandes eindeutig verneint; die Zechen seien aber trotzdem „sinnvoll und nutzvoll im Verbund“. Das Vorstandsmitglied Dr. rer. pol. Erich Schulte gab einen sehr freimütigen Einblick in die Verteilung der Ertragskraft innerhalb des Konzerns, der zugleich ein ausgezeichnetes, allgemeingültiges Schlaglicht auf die Situation im Bergbau wirft: an dem erwirtschafteten Ergebnis des Konzerns sind Bergwerksgesellschaften (Altenessener Bergwerks-AG und Hoesch-Bergwerks-AG) mit 20 v. H., die Hütte und Verarbeitungsbetriebe mit 70 v.H. und die Handelsgesellschaften mit zehn v. H. beteiligt; demgegenüber liegt rd. 35 v. H. des Gesamtkapitals beim Bergbau, und von der Konzernbelegschaft sind sogar 50 v. H. bei der Kohle beschäftigt.

Der Gesamtumsatz des Unternehmens betrug (2,09) Mrd. DM. Darin sind 793,2 Mill. DM enthalten, de auf Lieferungen der Tochtergesellschaften untereinander beruhen. Der Exportanteil des Gesamtkonzerns erhöhte sich von 12 auf 15 v. H.s an dieser Steigerung sind vorwiegend die Verarbeitungsbetriebe beteiligt. Bei der Westfalenhütte allein ist der Umsatz um 17 v. H. auf 797 (677) Mill. DM geklettert. Der Anteil des Auslandgeschäfts ist dabei zwar von 8,6 auf 9,4

H. leicht angestiegen, liegt aber nach wie vor erheblich unter der vergleichbaren Zahl bei anderen Hüttenwerken. Die Struktur des Absatzes der Hoesch-Westfalenhütte hat sich gegenüber dem Vorjahr also nicht wesentlich geändert. Nach ihrem Erzeugungsprogramm versorgt die Hütte wie bisher vor allem den Inlandmarkt – ein Umstand, der dem Werk besonders im laufenden Geschäftsjahr zugute kommt. Der Geschäftsbericht weist aus, daß die Halbzeuglieferungen an die Hoesch Walzwerke AG im Berichtsjahr nochmals nicht unwesentlich zugenommen haben.

Die ersten fünf Monate des neuen Geschäftsjahres bezeichnete der Vorstandsvorsitzer des Unternehmens, Dipl. Kfm. Gerhard Elkmann, als ‚einigermaßen befriedigend“. Die Umsätze des ersten Halbjahres werden im Schnitt etwa zwei bis drei v. H. unter denen des Berichtsjahres liegen, aber der Auftragsbestand, der im Konzern durchschnitt eine Beschäftigung von drei Monaten garantiert, weist Hoesch einen guten Platz in der gesamten Stahlindustrie zu. Die Ertragsaussichten für das laufende Jahr sind nicht gar so schlecht. Auf unsere Frage nannte Vorstandsvorstzer Elkmann einen Betrag von etwa 25 Mill. DM, der durch Senkung der Rohstoffpreise und Seefrachten sowie den völligen Wegfall von Amerikahohle – allein dafür sind im Berichtsjahr noch 7 Mill. DM aufgewendet worden – im Geschäftsjihr 1957/58 frei wird. Dagegen steht die Auswirkung der jüngsten Lohnerhöhung mit etwa 5 Mill. DM bei Hoesch und die allerdings noch richt zu übersehende Kostenprogression auf Grund der nicht voll ausgenutzten Kapazität.