In Offenburg ging es um mehr als ein Biertischgespräch

Offenburg, im April

Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Offenburg hat den 51 Jahre alten Studienrat Ludwig Zind wegen Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, daß Zind die Schändung jüdischer Friedhöfe gebilligt und geäußert habe, „es seien noch viel zu wenig Juden vergast“ worden.

Es war in der Nacht vom 23. zum 24. März 1957, als im „Zähringer Hof“ zu Offenburg vier Männer um den Biertisch saßen. Ein Studienrat, ein Textilkaufmann und zwei Studenten. Man unterhielt sich über dies und das und schließlich auch über das „Politische“ und das „Dritte Reich“. Es sei nicht alles schlecht gewesen, was „braun“ war, meinte der Studienrat. Die beiden Studenten machten Einwände. Und der Textilkaufmann sagte: „Wenn das Ihre Ansicht ist, dann kann man ja nicht mit gutem Gewissen seine Kinder zu Ihnen in die Schule schicken!“

Daraufhin wurde es laut. Und schließlich wollte der Textilkaufmann es ganz genau wissen: „Halten Sie denn auch die Schändung jüdischer Friedhöfe – wie jetzt zum Beispiel in Salzgitter – für richtig?“

Der Studienrat meinte, die Erregung über solche Vorfälle sei nichts weiter als unberechtigtes Theater.

„Und die Konzentrationslager?“