München, im April

Nach langem Hin und Her ist entschieden worden, daß Ferenc Fricsay aus seinem Amt als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper ausscheidet, und zwar bereits nach Ablauf dieser Spielzeit. Ein mit ihm neu abgeschlossener Gastvertrag sieht eine oder zwei Neueinstudierungen je Saison und eine größere Zahl von Dirigierabenden vor.

Fricsay wollte „sich seinen künstlerischen Aufgaben mit ungeteilter Kraft widmen können“. Womit er ja selbst deutlich zum Ausdruck brachte, daß er nicht die ganze Arbeit, die ein Institut wie die Bayerische Staatsoper von ihrem musikalischen Oberleiter erwarten darf, als seine künstlerische Aufgabe ansieht. Und so gibt es in München, trotz einer Reihe von großartigen Eindrücken, die man Fricsay verdankte, wohl niemanden, der die Vertragsänderung bedauert.

Faktisch hat der Dirigent hier eigentlich nur Gastspiele gegeben. Die nun erfolgte formale Berichtigung seines Vertragsverhältnisses macht jedenfalls den Platz frei für einen Amtsnachfolger, der die planvolle musikalische Führung der Bayerischen Staatsoper als seine Hauptaufgabe anerkennt.

Als Fricsays Nachfolger ist Joseph Keilberth in Aussicht genommen. Keilberth hat sich, wie verlautet, entschlossen, seine ganze Kraft der neuen Aufgabe zu widmen. Er will auf den größten Teil seiner bisherigen Tätigkeit verzichten: das ist das, was man hier von einem Operndirektor erwartet. a-th