Die Kreditanstalt für Wiederaufbau stellt in einer ihrem Geschäftsbericht 1957 vorangeschickten Analyse fest, daß die wichtigsten Aufgaben des wirtschaftlichen Wiederaufbaues bewältigt sind. Die dem Institut zugewiesene Aufgabe ist also erfüllt; dennoch: ist die Bank nicht mehr zu entbehren. Sie hat sich im Laufe der Jahre einen Platz gesichert, der ihr nicht streitig gemacht wird. Die KfW betreibt nämlich als öffentlich-rechtliches Institut Geschäfte, die entweder von den Privatbanken nicht übernommen werden können oder die diese auch nicht übernehmen wollen. Weiterhin ist die KfW als Bank mit einem Bilanzvolumen von 5,8 Mrd. DM in der Hand der Bundesregierung ein bedeutsames wirtschaftspolitisches Instrument, zumal die von der KfW gegebenen Mittel vorwiegend langfristig sind.

Die KfW subventioniert nicht, sondern sie gibt Kredite, die termingerecht zurückgezahlt und marktmäßig verzinst werden müssen. Die Mittel hierfür schöpft sie aus den verschiedensten Quellen. Ihr erster Gläubiger ist dabei mit rd. 4 Mrd. DM die Bundesrepublik, die über die KfW allein aus dem ERP-Sondervermögen 3,7 Mrd. DM in die Wirtschaft eingeschleust hat. Andere Kapitalquellen sind eigene Emissionen der KfW in Höhe von rd. 300 Mill. DM, ein Eigenkapital von rd. 260 Mill. DM und Mittel, die aus dem laufenden Bankgeschäft, Treuhandgeschäften usw. einkommen.

Die KfW beschränkt sich keineswegs darauf, einmal vor allem, aus der amerikanischen Auslandshilfe angefallenen Mittel zu verwalten, sondern sie wuchert mit diesem Pfunde, um vielfältige Früchte zu ernten. Auf der Passivaseite der Bilanz nehmen so auch die Schulden mit 5.3 Mrd. DM die Hauptposition ein. Sie sind um eine Viertelmilliarde höher als vor einem Jahr. Bedeutungsvoller als der Zuwachs sind die Bewegungen innerhalb des Schuldenkomplexes. Die Tilgungen im abgelaufenen Geschäftsjahr 1957 betrugen allein 560 Mill. DM. Es fallen also jährlich große Mittel an, die zur Wiederausleihung zur Verfügung stehen. Das erfolgt nicht nach erwerbs-wirtschaftlichen, sondern nach allgemein-wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Die Mittel gehen vor allem dorthin, wo ein legitimes Kapitalbedürfnis besteht, das nicht ohne weiteres am Kapitalmarkt befriedigt werden kann. Daher rücken bei der KfW immer mehr mittelständische Kredite, und zwar an Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft in den Vordergrund. Wasserwirtschaft, Verkehr und nach wie vor aber auch der Kohlenbergbau und die Energiewirtschaft sind ebenfalls Bereiche, denen die KfW Aufmerksamkeit entgegenbringt. In ihren Geschäftsbereich dringen in verstärktem Maße jetzt auch langfristige Exportfinanzierungen ein, weil Westdeutschland sich der Aufgabe, Entwicklungsländer durch Kreditgewährungen zu unterstützen, nicht zu entziehen vermag. Die KfW hat dabei neue Finanzierungsformen entwickelt, die sie nur im Rahmen eines großen Gesamtgeschäftes, in dem ein Teil den anderen trägt, durchzuführen vermag.

An Stelle der aus dem Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau mit Ablauf der Legislaturperiode aus dem Bundeskabinett und damit aus dem Verwaltungsrat der KfW ausgeschiedenen Bundesminister Dr. h. c. Franz Blücher und Bundesfinanzminister Fritz Schäffer sind die Bundesminister Dr. Hermann Lindrath und Bundesfinanzminister Franz Etzel in den Verwaltungsrat der KfW eingetreten. – An Stelle von Dr. Bötzkes und Dr. Tron wurden Dr. Gotthard Frhr. von Falkenhausen, Mitinhaber des Bankhauses Burkhardt & Co., Essen, zum Vertreter der Kreditbanken und Dr. Lothar Elbrecht, Mitglied des Vorstandes der Industriekreditbank AG, Düsseldorf, zum Vertreter eines auf dem Gebiet des Industriekredites maßgebenden Kreditinstitutes im Verwaltungsrat bestellt. An Stelle des bisherigen Vertreters der Industrie im Verwaltungsrat, Präsident Karl Blessing, wurde Fritz Berg, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V., Köln, zum Mitglied des Verwaltungsrates bestellt. An Stelle des aus der Deutschen Bundesbank ausgeschiedenen Präsidenten Geh.-Rat Dr. Wilhelm Vocke bestellte die Deutsche Bundesbank Präsident Karl Blessing zum Mitglied des Verwaltungsmes der KfW. w. R.