Dem Geschäftsbericht 1957 der Braunschweigischen Staatsbank ist zu entnehmen, daß auch in diesem zonengrenznahen Wirtschaftsraum die Konsolidierung der Finanzverhältnisse in den Betrieben Fortschritte macht. Es darf als ein Ausdruck erhöhter Liquidität in der Wirtschaft dieses Raumes angesehen werden, daß 1957 die Einlagen bei der „Braunschweigischen Staatsbank“ erheblich zugenommen haben. Die Bilanzsumme erhöhte sich 1957 um 18,1 v. H. kräftiger als 1956 und 1955 auf 1 077,2 Mill. DM. Die Umsätze stiegen um 2,4 Mrd. DM auf 20,6 Mrd. DM. Sie haben sich seit 1950 mehr als verdoppelt. Da sich das langfristige Geschäft über die einmalige Hereinnahme oder Auszahlung eines Darlehens und die spätere Rückzahlung hinaus auf das Umsatzvolumen nicht auswirkt, muß die starke Umsatzzunahme fast Ausschließlich auf das kurzfristige Geschäft bezogen werden.

Im Geschäftsjahr war die Bank in der Lage, allen bankmäßig gerechtfertigten Kreditwünschen nachzukommen. Dabei brauchte die Staatsbank 1957 keine eigenen Emissionen aufzulegen. Der Bedarf an langfristigen Mitteln konnte aus anderen Refinanzierungsquellen, durch Ausgabe von Schuldscheinen und Namensschuldverschreibungen gedeckt werden. Vor allem durch die erfreuliche Entwicklung der Spareinlagen sah sich die Bank in der Lage, im langfristigen Geschäft in gewissem Umfang in den Vorgriff zu gehen. Der Spareinlagenzuwachs der mit der Staatsbank verbundenen Landessparkasse wuchs 1957 um 25 v. H. (1956 waren es 16,1 v. H.) Wenn auch die Sparquote im Bereich der Staatsbank mit 411 DM je Kopf der Bevölkerung noch unter dem Spareinlagenbestand im Bundesdurchschnitt von 558 DM lag, so übertraf der Zuwachs bei der Staatsbank den Durchschnitt aller Sparkassen im Bundesgebiet. Auch das darf als ein Zeichen dafür angesehen werden, daß dieser Zonengrenzraum aufholt.

Die Ertragslage der Staatsbank hat sich infolge der weiteren starken Geschäftsausdehnung gegenüber dem Vorjahr noch etwas verbessert. Es wird ein Reingewinn von 1,8 (1,6) Mill. DM ausgewiesen, von dem der Gewährsträger, das Land Niedersachsen 1,3 Mill. erhält. (Dieser Betrag dient der weiteren Tilgung der aus der Kapitalerhöhung auf zehn Mill. entstandenen Restforderung). Auch Staatsbankpräsident Dr. Nickel sprach sich auf einer Pressekonferenz gegen die Einführung eines Prämiensystems für die verschiedenen Sparformen aus und machte den Vorschlag, zur kontinuierlichen Kursentwicklung der Rentenpapiere eine Aufnahme der Rentenwerte in die Offenmarktpolitik, zu erwägen. Jetzt bauten die Banken wegen der auf dem Rentenmarkt gemachten Erfahrungen ihre Wertpapierpositionen nur zögernd auf. -ng