wk, Berlin

Um die Jägerei ist es in der Ostzone schlecht bestellt, seitdem das edle Waidwerk den Händen der „Kapitalisten und Großagrarier“ entrissen und zu einer Sache der „Arbeiterklasse und der werktätigen Bauern“ geworden ist. Anders lassen sich jedenfalls die Berichte der „Volkskorrespondenten“, die sich geflissentlich und beflossen über jede Treibjagd auslassen, nicht interpretieren.

Die Genossen Kollektivjäger, die ihre Waffen vor Beginn jedes Treibens aus den Händen der Sicherheitsbeauftragten der Volkspolizei und bewährter Vertrauensleute der militärischen „Gesellschaft für Sport und Technik“ zugeteilt erhalten, scheinen danach nämlich ganz und gar nicht den Anforderungen zu genügen, die man füglich auch in einer Volksdemokratie an einen Waidmann stellen muß.

Unlängst hatte der Genosse Jagdleiter des Landkreises Rathenow zu einer Treibjagd auf Schwarzwild geladen. Die Genossen Treiber führten geschickt (noch nach den alten kapitalistisch-imperialistischen Regeln des Waidwerks) das Wild den Nimrods vor die Büchse. Nun konnte und sollte das Geschieße beginnen. Doch da geschah etwas Unerhörtes. „Der Genosse Schütze“, so lesen wir in dem Bericht des Genossen Volkskorrespondenten, „der acht Meter vor dem Keiler stand, ist plötzlich von der gewaltigen Größe des Tieres wie gelähmt. Erst als die Schrecksekunden vorbei.sind, bellen zwei Schüsse, und stark schweißend verschwindet das angeschossene Tier in dem Dickicht des Waldes.“ Die Leistungen der anderen Jäger waren auch nicht großartiger...

„Es wurde viel geknallt“, setzt der Jagdberichterstatter seine waidmännische Jeremiade fort, „die Strecke aber war gering. Das Jagdkollektiv in Bensdorf bei Plaue an der Havel zog daraus die einzig richtige Schlußfolgerung und ging die Selbstverpflichtung ein, die Lehren des Marxismus-Leninismus gründlicher zu studieren, um damit zu besseren Schußergebnissen zu kommen.“