In Halle 3 der Hannover-Messe wirddiesmal fast der gesamte Verbrennungsmotorenbau der Bundesrepublik und Westberlins vertreten sein. 48 Firmen werden Otto-, Dieselmotoren und Verbrennungsturbinen in einem Leistungsbereich von 0,5 PS bis zu Maschinen mit über 20 000 PS ausstellen. Die deutsche Verbrennungsmotoren-Industrie behauptet im Rahmen der Gesamtweltausfuhr nach wie vor den dritten Platz nach den USA und Großbritannien. Da sich unter den zehn ausländischen Ausstellern auch Firmen aus den USA und England befinden (hinzu kommen noch Unternehmen aus Österreich), wird die Schau zugleich einmalige internationale Vergleichsmöglichkeiten bieten.

Besonders bemerkenswert dürfte der Vergleich unter den Gasturbinen sein, der jüngsten Verbrennungskraftmaschine. Die deutschen Entwicklungsarbeiten an der Verbrennungsturbine (Abgas- und Frischgasturbine) wurden durch Verbote nach 1945 eine Zeitlang unterbrochen. Bei der Weiterentwicklung konnten aber die in der Zwischenzeit im Ausland gewonnenen Erfahrungen nutzbar gemacht werden. Auf den Ständen der deutschen Dieselmotoren-Hersteller Klöckner, Humboldt & Deutz AG und Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG werden Abgasturbolader als Aufladegruppen zu sehen sein. Von der Aktiengesellschaft Kühnle, Kopp und Kausch wurde eine Modellreihe von Abgasturboladern entwickelt, die geeignet sind, den Luftbedarf durch Aufladung von unaufgeladenen Motoren zwischen 70 und 650 PS Leistung zu liefern. Die britische „Rover Gas Turbines Birmingham“ wird eine Einwellen-Gasturbine mit 60 PS unter normalen Druck- und Temperaturverhältnissen zeigen. Die 60 PS-Leistung wird bei einer Abgastemperatur von 600 Grad Celsius erzielt. An Kraftstoffverbrauch wird bei flüssigen Kraftstoffen 635 g je PS/h angegeben. Von der britischen Firma Napier & Son, London, werden Flugzeug-Propeller-Turbinen, Flugzeug-Strahl-Turbinen und Raketen-Triebwerke ausgestellt.

In der Ausfuhr von Dieselmotoren haben die verdeutschen Firmen im letzten Jahr de der britischen Firmen nicht nur erreicht, sondern offenbar etwas überflügelt Die Produktion von Dieselmotoren ha bei uns seit Jahren ständig zugenommen, zuletzt von 579 Mill. DM 1956 auf 628 Mill. DM 1957. In technischer Hinsicht setzt sich die Tendenz, das Gewicht zu verringern und mit kleinsten Abmessungen auszukommen, überall fort. Das ist eine Entwicklung, wo in viden Fällen der Kleindieselmotor der gleichstarken Otto-Motor ersetzt. Wie günstig die Absatzmöglichkeiten gerade für den Kleindieselmotor sind, läßt sich deutlich daraus erkennen, daß 1952 rund 67 000 Klein-Dieselmotoren bis 30 PS erzeugt wurden, dagegen 1957 bereits 116 000, Die Luftkühlung hat dabei weiter an Bedeutung gewonnen. Ebenso deutlich ist aber auch die Tendenz zu aufgeladenen Motoren, die eine wesentlich höhere Leistung abgeben. Bein Zweitakt-Dieselmotor sind mit der Aufladung Leistungssteigerungen bis zu einem Drittel der Normalleistung, beim Viertakt-Dieselmotor solche bis 60 v. H., bei Anwendung der Luftladekühlung über 100 v. H. und mit Hochaufladung sogar bis zu 200 v. H. der Normalleistung erreicht worden.

Aufmerksamkeit verdient auch die Entwicklung neuer Verbrennungsverfahren, die als eine Besonderheit des deutschen Dieselmotoren-Baues angesehen wird. sogenannte Vielstoffmotoren gestatten die Verwendung von verschiedenartigen Kraftstoffen ohne Leistungsabfall, vom oktanhaltigen Benzin bis zum Schweröl. Die neuen Verbrennungsverfahren trachten aber auch auf ein weicheres, elastischeres Arbeiten des Motors und – damit verbunden – auf eine Milderang der Motorengeräusche.

Auf dem Gebiet der Otto-Motoren wird die Messe zeigen, daß sich neben den bekenaten Herstellern von Allzweckmotoren immer stärker auch einige Kraftfahrzeug-Hersteller um den Markt der stationären Otto-Motore kümmern. Sie bieten Kraftfahrzeug-Motore an, die für Einbauzwecke besonders ausgerüstet sind. Dg