Manche Leute wundern sich, warum die Sowjets gerade jetzt vor der Gipfelkonferenz die Klage gegen die USA beim Sicherheitsrat einreichten, obgleich dadurch doch nur die Atmosphäre (um die sie sonst so besorgt sind) verpestet wird. Man braucht nicht viele Überlegungen anzustellen, um die Antwort auf diese Frage zu finden: Augenblicklich scheint ihnen der optimale Zeitpunkt für den Kampf gegen die atomare Bewaffnung der westlichen Welt, insbesondere Deutschland, gekommen. Auch Grotewohl war begeistert über die Möglichkeiten, die sich angesichts der Massenversammlungen in Deutschland bieten. Er forderte vor der Volkskammer die SPD und die westdeutschen Gewerkschaften auf, in der Agitation gegen die Atomrüstung eine Aktionsgemeinschaft mit der DDR zu bilden. Wörtlich sagte er: „Es gibt heute in Westdeutschland erfreuliche Anzeichen einer Annäherung an die von uns in Vorschlag gebrachten Methoden des außerparlamentarischen Massenkampfes gegen das Adenauer-Regime

Die Gelegenheit schien also günstig, die lokalen Demonstrationen im Westen durch globale Interventionen vor der UNO zu unterstützen. Die geballte Ladung, die die Sowjets glaubten auf diese Weise auslösen zu können, schien ihnen die möglichen Erfolge einer Gipfelkonferenz nicht nur aufzuwiegen, sondern auszustechen. Ein Beweis, daß es ihnen bei der Gipfelkonferenz offenbar nicht um ein allgemeines „Arrangement“ mit dem Westen geht, sondern nur um die Ausschaltung der atomaren Bewaffnung. Dff