Faszinierender Pirandello in Düsseldorf – Ionescos Entlarvung in Darmstadt

Von Johannes Jacobi

Absurdität scheint ein Zeichen unserer Zeit zu sein. Lebenswille und Sinn streben in grotesker Weise auseinander, unfaßbar für die Beteiligten, die als einzelne fast alle gutwillig sind.

Das Thema spiegelt sich seit langem auf der Bühne. Es begann bei Strindberg und Pirandello. Ionesco und seine Pariser Mitstreiter gegen die Konvention theatralischer Darbietungen scheinen einen zeitgemäßen Ausdruck für das schleichende Gift der Sinnlosigkeit gefunden zu haben. Der Zufall führte innerhalb einer Woche ein unbekanntes Stück von Pirandello und eine Uraufführung von Ionesco ins Scheinwerferlicht deutscher Theater. Die Begegnung wirkte enthüllend.

Im Düsseldorfer Schauspielhaus inszenierte der italienische Regisseur Giorgio Strehler, Direktor des weltberühmten Piccolo Teatro in Mailand mit deutschen Schauspielern Luigi Pirandellos letztes Theaterstück „Die Riesen vom Berge“. Deutsch ist diese szenische Legende bisher nur einmal (vor einem Jahrzehnt in Zürich, und ebenfalls von Strehler) aufgeführt worden. Dieses typische Spätwerk blieb Fragment.

Als sich die Spannung aufs höchste gesteigert hatte, fiel am Ende des zweiten Aktes in Düsseldorf schnell ein schwarzer Vorhang. „Ich habe Angst – Angst (nämlich vor der Begegnung des Kunstwerks mit der Masse). Das waren die letzten Worte, die Luigi Pirandello geschrieben hat“, erläuterte Bernhard Minetti, der den Zauberer Coltrone darstellte. Suggestiv spürte der Zuschauer den Tod selbst, der an dieser Stelle dem Dichter die Feder mitten in einem Meisterwerk aus der Hand genommen hat. Aber Pirandello erzählte am Abend vor seinem Tode (1936) den geplanten Inhalt des dritten Aktes seinem Sohne, und nach dessen Aufzeichnungen wurde das Spiel in Düsseldorf pantomimisch zu Ende geführt.

Was in diesem letzten Akt gezeigt wird, hatte ein Teil des Theaterpublikums im zweiten durch seine Reaktion vorweggenommen.