Auch auf der Hannover-Messe 1958 veranstaltet das britische Handelsministerium zusammen mit der britischen Atomenergiebehörde eine Sonderschau über Atomtechnik. Interessiert ist die deutsche Industrie schon seit Jahren an radioaktiven Isotopen, und England ist der größte Exporteur. Verwendet werden sie in der Industrie vorwiegend in Meßeinrichtungen oder als Röntgenstrahler zum Prüfen von Schweißnähten oder Gußstücken. Leckstellen in Rohrleitungen in der Erde lassen sich ebenfalls mit Hilfe von radioaktiven Isotopen leicht feststellen. Die Ölindustrie verwendet Isotope, um z. B. in Bohrlöchern den Salzwasserspiegel zu beobachten.

In einer großen deutschen Reifenfabrik dient eine Meßanlage mit radioaktiven Isotopen der erhöhten Sicherheit von Autoreifen. Die Qualität eines Fahrzeugreifens beruht wesentlich auf einer gleichmäßigen Verbindung von Gummi und Gewebe. An keiner Stelle des Reifens darf es schwache Stellen geben. Hier würden sich sonst bei starker Beanspruchung Gefahrenherde bilden.

Die neue Meß- und Kontrolleinrichtung befindet sich im Kalander, einer Maschine, in der das Textilgewebe mit einer Gummischicht auf beiden Seiten gleichmäßig belegt wird. Ein Meßgerät mit radioaktiven Isotopen kontrolliert die Gleichmäßigkeit der auf die Walzen fließenden Gummimischung. Die zweite Meßstation befindet sich dort, wo die beiderseitig gummierte Gewebeschicht den Kalander verläßt. Die Meßsonde enthält im sogenannten Strahler eine kleine Metallkapsel mit Strontium-Isotopen, die ihre radioaktive Strahlung auf die Meßkammer schießen, durch das Gummi hindurch. Je nach der Dichte des Gewebes wird Strahlung absorbiert. Die auf der anderen Seite in die Meßkammer einfallende Strahlung erzeugt einen schwachen Strom, dessen Stärke durch Schaltungsanlagen auf Meßgeräten sichtbar wird. Schwankt die Gummierungsstärke auch nur geringfügig, zeigt die Meß-Skala die Veränderung an. Schwankungen von weniger als ein v. H. sind ständig sichtbar und werden zugleich durch automatische Schreiber erfaßt.

Früher, als noch keine Isotope zur Verfügung standen, mußte man sich mit ständigen Stichproben des Kalander-Ausstoßes begnügen und sie im Labor untersuchen. Heute vollzieht sich die Kontrolle fortwährend: zu jeder Sekunde. Es ist nicht bloß eine konstante Qualität gewährleistet.

Obwohl die Erfahrungen vieler Jahre längst zeigten, daß der größte Verschleiß in den Motoren solcher Fahrzeuge eintrat, die ständig nur kurze Strecken fuhren (Taxi und Kraftwagen von Ärzten in Städten), war es doch nicht möglich, die Zusammenhänge genau zu erforschen und Abhilfe zu schaffen. Es gab keine andere Meßmethode als die, den Motor im Versuch so lange laufen zu lassen, bis genügend Metall von den Kolbenringen oder dem Zylinder abgeschliffen war, um es zu messen.

So war freilich dem Verschleiß während kurzer Motorlaufzeiten nicht beizukommen. Obendrein mußte vor jeder Messung der Motor auseinandergenommen werden. Heute wird bei den Versuchen in den Laboratorien ein, normaler Kolbenring radioaktiv gemacht und dann im Prüfstand in den Kolben eingepaßt. Während die Maschine läuft, wird in der Schmierölwanne des Motors laufend die Zunahme der Radioaktivität gemessen; sie nimmt im gleichen Maße zu, wie sie beim radioaktiven Kolbenring abnimmt. So sind auch die kleinsten, vom Kolbenring abgeschabten Metallteile meßbar geworden. Eine der ersten Beobachtungen bei diesen neuen Meßverfahren war, daß der Motorverschleiß (bei normalem Öl) in den ersten zehn Minuten genau so groß ist wie der während der nächsten sechs Stunden Laufzeit des warmen Motors. Nun konnten endlich in langen Versuchen solche Öle entwickelt und erprobt werden, die den Verschleiß wesentlich herabsetzen. -ng