Das Messe-Angebot der 198 in- und ausländischen Hersteller von Textilmaschinen und Zubehör wird an Umfang und Vielseitigkeit noch das der Vorjahre übertreffen. Auch namhafte Firmen aus der Schweiz, Belgien, Frankreich, Italien, Großbritannien, Österreich und Dänemark stellen aus. 27 v. H. der Aussteller in den Hallen 7 und 7 A sind Ausländer. Damit weist der Textilmaschinenbau von allen Branchen die größte Auslandsbeteiligung auf.

Wie wird sich für die Hersteller von Textilmaschinen die Tatsache auswirken, daß seit einigen Monaten die konjunkturelle Lage der deutschen Textilindustrie nicht befriedigend ist? Ungeachtet des relativ günstigen Bildes, das ein Rückblick auf das Jahr 1957 bietet, spricht die Textilindustrie in vielen ihrer Zweige von einer starken Labilität der konjunkturellen Entwicklung. Die Produktionskurve bewege sich von Monat zu Monat auf und ab, der Auftragseingang zeige Schwankungen, die weit über die saisonalen Einflüsse hinausgingen. In den ersten neun Monaten 1957 lag der Auftragseingang noch um 4,5 v. H. über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, aber das letzte Quartal verwandelte das Plus beim Auftragseingangsindex in ein Minus. von 1,7 v. H. Und die ersten Monate 1958 haben noch keine Änderung der abschwächenden Tendenzen gebracht.

Die Schwierigkeiten werden vornehmlich auf die zunehmende ausländische Konkurrenz zurückgeführt. So stieg die westdeutsche Textileinfuhr von 3,6 Mrd. DM im Jahre 1956 auf 4,4 Mrd. DM im Vorjahr. Die Produktionskosten einer Reihe ausländischer Konkurrenten liegen unter den deutschen Kosten: sei es durch niedrige Löhne, durch staatliche Subventionen oder durch dumpingartige Unterbietungen aus dem Ostblock. Diese Situation wird verschärft durch innere Schwierigkeiten der deutschen Textilindustrie, von denen hier nur auf die Überalterung des Maschinenparks hingewiesen werden soll. Ein Überblick über die Maschinenausrüstung der europäischen Baumwollindustrie im Jahre 1956 ergibt, daß z. B. von den deutschen Webstühlen noch immer 60 v. H. nichtautomatische Stühle sind. Aus den USA wird dagegen über eine nahezu hundertprozentige Automatisierung der Webstühle berichtet. Auch in Frankreich war 1956 der Anteil der automatischen Webstühle wenigstens größer als der der nichtautomatischen. Noch günstiger ist das Verhältnis in der Textilindustrie Italiens und der Schweiz.

Insgesamt betrugen 1957 die Maschinen-Investitionen der westdeutschen Textilindustrie etwa 370 Mill. DM. 1956 wurden für Produktionsmaschinen (ohne Ersatzteile und Zubehör) 340 Mill. DM investiert. Nach Meinung von Fachleuten der Textilindustrie müßte jedoch die Maschinen-Investition etwa dreimal so hoch sein und wenigstens für einige Jahre bei rund 1 Milliarde DM liegen. Eine Verdoppelung des gegenwärtigen Investitionsvolumens während einer Zeitspanne von acht bis zehn Jahren hat übrigens der von der OEEC mit dem Studium der Textilfragen beauftragte Sonderausschuß für alle europäischen Länder empfohlen. -ri-