Von Jahr zu Jahr wachst im Freigelände der hannoverschen Messe die „Stahlstraße“. Die Werke der eisenschaffenden Industrie steigerten ihren Platzbedarf von 1000 qm im Jahre 1947 auf rund 30 000 cm im letzten Jahr. Immer wieder entstanden neue Pavillons andere wurden erweitert. Diesmal werden die Rheinischen Stahlwerke neben ihrem bestehenden „Rheinstahl-Pavillon“ eine neue Ausstellungshalle in Betrieb nehmen. Die Halle wird sich trotz ihres repräsentativen Charakters dem Rheinstahl-Pavillon unterordnen, der noch immer zu den interessantesten Bauten der „Stahlitraße“ gehört: Zwei schlanke parabelförmige Stahlrahmen streben aus den Fundamenten in die Höhe und tragen das Gebäude.

Nicht minder eigenwillig und repräsentativ ist die Kuppelhalle von Krupp: in gleicher Weise Ausstellungsraum und Ausstellungsobjekt. Die Kuppelhalle, deren Durchmesser etwa dreißig Meter und deren Höhe über elf Meter beträgt, ist ganz in Stahl und Glas ausgeführt.

Hinter einer weiten Rasenfläche liegt eindrucksvoll der Pavillon „Thyssenstahl“. Einen reinen Zweckbau haben sich die ehemaligen Reichswerke Salzgitter errichtet. Er gliedeit sich in einen fensterlosen zweigeschossigen Hauptblock und einen auf Stahlstützen stehenden, eingeschossigen Gebäudetrakt. Weiße Putzflächen, in denen große, fast quadratische Metallfenster liegen, geben dem Bauteil eine straffe architektonische Gliederung. Der originelle Ausstellungsbau der Klöckner-Werke – seine Form ist aus der Übertragung der geometrischen Anordnung des Firmenzeichens entstanden – gehört schon seit Jahren zu den Pavillons der hannoverschen Stahlstraße und ist ein Beispiel für die auch im reinen Stahlbau gegebenen ästhetischen Möglichkeiten.

Der 120 Meter hohe Mannesmann-Turm, um dessen Sockel sich der Stand dieses Unternehmens gruppiert, bildet seit 1954 ein Wahrzeichen der Messe. Er besteht aus nahtlosen Mannesmann-Stahlrohren. Der Pavillon der Hoesch AG besteht ebenso wie viele andere Ausstellungsbauten der „Stahlstraße“ im wesentlichen aus den Erzeugnissen der Gesellschaften des eigenen Konzerns.

Als Neuling wird sich diesmal der Pavillon der Hüttenwerke Ilsede-Peine vorstellen, der seine eigene Note durch die gelochten Breitflanschträger bekommt, die – frei sichtbar – tragende Konstruktionsteile des Bauwerks sind. Phönix-Rheinrohr hat seinen Pavillon umgebaut und die Demag ihren zur Messe 1956 eröffneten Ausstellungsbau ebenfalls in diesem Frühjahr um tausend Quadratmeter erweitert. Die Notwendigkeit von Erweiterungsbauten wird vorwiegend mit dem Bedarf an vermehrten Besprechungsräumen begründet. Die eisenschaffende Industrie scheint also in Hannover gut ins Gespräch gekommen zu sein... -d