Von Paul Hühnerfeld

Was ist über Bert Brecht noch nicht gesagt worden? Wer in der Garde deutscher Literaten etwas auf sich hält, hat zum Ruhm des Dichters (und zum eigenen) einen Essay über ihn geschrieben. Und wie dankbar in vielerlei Hinsicht ist dieser Dichter für einen Essay Schreiber! Der militante Antikommunist kann hier Toleranz beweisen und behaupten, Poesie stehe über den Weltanschauungen – der linksverdächtige Kritiker stellt in seinem Essay im Handumdrehen fest, daß Bert Brecht eigentlich nie ein Kommunist gewesen ist. Deswegen beginne ich die Anzeige von

Bert Brecht: „Stücke“ in 10 Bänden Erste Stücke Band I–II, Stücke für das Theater am Schiffbauerdamm Band III–V, Stücke aus dem Exil Band VI–X), Peter Suhrkamp Verlag, Frankfurt, je Band 10,– DM,

mit einem Geständnis: Ich habe für diese Ankündigung des gesamten dramatischen Werke; alle 26 Stücke des Autors gelesen. Und ich bin nach dieser Lektüre der Überzeugung, daß Brechts Werk vom Kommunismus überhaupt nicht zu trennen und daß er selber bis zu seinem Tode ein überzeugter Kommunist gewesen ist.

Daran ändert nichts, daß er die Vertreter dieser Ideologie in der „DDR“ wahrscheinlich verachtet, daß er von mehreren Stücken eine Ost- und eine Westfassung erstellt hat, daß er – ein kluger Kritiker hat sich nicht geniert, Schlüsse daraus zu ziehen – ein Schweizer Bankkonto hatte und österreichischer Staatsbürger blieb.

Aus solchen Ungereimtheiten mehr machen zu wollen, als die Imponderabilien einer komplexen Persönlichkeit, mag zu Zeiten des Kalten Krieges selbst in der Literatur angängig gewesen sein – jetzt ist es fauler Zauber und wirkt auch so.

Je eher wir uns daran gewöhnen, daß jenseits des Eisernen Vorhanges nicht nur Konstrukteure von Sputniks, sondern auch Dichter wohnen, und je eher wir es unterlassen, solchen Dichtern ein westliches Alibi zu zimmern, desto besser wird es für uns sein.