Der Deutschlandbesuch einer Goodwill-Mission aus der afrikanischen Republik Ghana, der einstigen britischen Kolonie Goldküste, die jetzt den Status eines unabhängigen Dominions besitzt, hat weite Kreise der westdeutschen Exportwirtschaft auf diesen jungen Staat aufmerksam gemacht. Unter Führung des Handels- und Industrieministers P. K. H. Quaidoo besuchte die Delegation in der Vorwoche Industriebetriebe an der Ruhr, Zementwerke, Glas- und Aluminiumfabriken, sie interessierte sich aber auch für die Ölgewinnung, für die Landwirtschaft, für holzverarbeitende Betriebe, Schokoladenfabriken und Schiffswerften.

Aus diesem umfangreichen Besichtigungsprogramm ist bereits ersichtlich, wie stark in Ghana das Bestreben ist, mit der Wirtschaft der Bundesrepublik in einen noch engeren Kontakt zu kommen. Schon heute gehört Westdeutschland – nach Großbritannien und den USA – zu den Hauptlieferanten der jungen Republik. Das Land hat in den Jahren der „Kakaokonjunktur“, also von 1953 bis 1955, als die Kakaopreise ihren Höhepunkt erreicht hatten, in weiser Voraussicht große Mittel für den Ausbau des Bahn- und Straßennetzes und die Modernisierung des Hafens von Takoradi aufgewandt. Aber auch die inzwischen zurückgegangenen Kakaoerlöse hindern die Regierung nicht, weitere Entwicklungsarbeiten in Angriff zu nehmen. Verkehrsanlagen haben Vorrang.

Ghanas Exportartikel Nr. 1 ist Kakao und so ist es verständlich, daß die hohen Kakaopreise der rückliegenden Jahre einen wesentlichen Einfluß auf das Anheben des Lebensstandards der Bevölkerung ausübten. Sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung ist die angestiegene und immer noch anziehende Nachfrage nach Konsumgütern. Großer Beliebtheit erfreuen sich westdeutsche Kunststofferzeugnisse, vor allem Toilettengegenstände, Eimer und Waschschüsseln. Für Bijouterieartikel zeigt Ghana ebenfalls eine gute Aufnahmebereitschaft. Für den Ausbau der Straßen sind Baumaschinen nach wie vor stark gefragt. Ein großer Bedarf besteht ferner an Klimaanlagen. Hier haben in den letzten Jahren amerikanische Geräte einen erfolgreichen Absatzmarkt gefunden. Der Grund: das gefällige Aussehen und ein hervorragend organisierter Kundendienst,

Dieser Kundendienst ist auch für den westdeutschen Absatz die Voraussetzung; es muß dafür gesorgt werden, daß für alle Maschinen ein ausreichendes Ersatzteillager zur Verfügung steht, ehe mit der Absatzwerbung begonnen wird. Grundsätzlich darf gesagt werden, daß Markenartikel, die in Ghana mit einer vernünftigen Werbung gestartet werden, durchaus leicht zu verkaufen sind. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, daß auch in Ghana die Käufer in den letzten Jahren mehr Wert auf Qualität und auf einen – günstigen Preis legen. Darin unterscheiden sie sich also nicht von den übrigen Käufern westdeutscher Exportartikel in allen anderen Teilen der Welt. Willy Wenzke