pk, Hannover

Die Witwe Wenke in Hameln, eben über 50, kann das Wort Lotto zur Zeit nicht hören. Sie hatte am Sonntag, dem 30. März 1958, „sechs richtig“ getippt. Das war ein Haupttreffer, der ihr eine halbe Million einbringen mußte. Sie hatte auch einen ordentlich banderolierten Tippschein – ordentlich jedenfalls nach ihrem Eindruck. Aber die Lottogesellschaft in Hannover weigerte sich, den 500 000-Mark-Gewinn auszuzahlen. Denn die Banderole war doch nicht ordentlich: Sie trug eine Nummer, die noch gar nicht in der Serie war.

Das hingegen lag an Erwin Ewald aus Hameln, dem 38jährigen Lottoeinnehmer der Witwe Wenke, bei dem sie ihren Tippzettel abgegeben hätte. Ewald hat, wie sich inzwischen herausstellte, im letzten Jahr rund 2000 Lottotips nicht nach Hannover weitergegeben. Die Kunden erhielten „ordnungsgemäß“ ihre Ausfertigung, „Banderolen-Erwin“ aber gab den Durchschlag nicht ab und steckte die Einnahmen in seine Tasche. Sein Tricks er klebte Banderolennummern auf, die noch nicht an der Reihe waren. Der Kunde merkte nichts, die Gesellschaft in Hannover merkte auch nichts, und Ewald hatte Kasse. Zur Zeit nützt sie ihm freilich nichts – er sitzt in Untersuchungshaft.

Die Rechtslage für Frau Wenke? Ein gültiger Wettvertrag, sagt die Lottogesellschaft, habe nicht bestanden, weil bei der Ausspielung der Durchschlag von Frau Wenkes Tippzettel nicht vorlag und die Banderolennummer noch nicht galt. Daß die Wetterin selber den richtigen Tipp vorlegte und daß es für sie keine Möglichkeit gegeben hatte, die Gültigkeit der Banderole zu überprüfen, nützte nichts.

Das Innenministerium in Hannover als Aufsichtsbehörde ließ erklären, es könne das Verhalten der Gesellschaft nicht beanstanden. Frau Wenke müsse vor dem ordentlichen Gericht ihr Recht suchen.

Der Antrag auf Bewilligung des Armenrechts wurde indessen abgelehnt. Die Prozeß- und Anwaltskosten bei einem Streitwert von 500 000 Mark würden sich, wenn der Prozeß durch sämtliche Instanzen ginge, auf rund 100 000 Mark belaufen.

Wie soll die arme Witwe Wenke da ihr Recht suchen und finden können?

Die Lottoannahmestellen in Niedersachsen aber zeigen seit dem vergangenen Wochenende am Kiosk deutlich die gültigen Banderolennummern für die Tippscheine an. Auf Anordnung der Lotto-Gesellschaft und nachdem das Innenministerium in Hannover festgestellt hat, daß „vielleicht“ eine Lücke in den Wettbestimmungen war...