Die große Entfernung Griechenlands von Nordwesteuropa hat es bisher verhindert, daß dieses Land mit seinen Inseln zu dem großen Ferientreffpunkt geworden ist und daß es eine Entwicklung genommen hat wie die italienischen Küsten, wie die Côte d’Azur, Capri, Ischia, Sizilien und in den letzten Jahren Spanien, Mallorca.

Jahrelang kamen nach Griechenland nur die wenigen Bildungsbeflissenen. Aber das Land ist mit allen guten Gaben ausgestattet und könnte zum perfekten Feriengebiet für alle Welt werden, und eben jetzt ist Griechenland fest entschlossen, die großen Fremdenströme des heutigen Fremdenverkehrs an seine Gestade zu ziehen. Ach, wären nur die Straßen Jugoslawiens zwischen Belgrad und der griechischen Grenze nicht fast unwegsam! Der Zug braucht von Hamburg nach Athen drei Tage. Der schnellste und bequemste Weg aber, der Luftweg nämlich, ist leider auch der teuerste. Immerhin bieten einige Reisebüros aber schon verbilligte Flüge (nach Athen und Rhodos) und verbilligte Fahrten zur See an: Man geht in Venedig oder Genua an Bord und tritt eine von der Hapag, von Touropa, Scharnow oder Hummel wohlvorbereitete Reise an, die den Touristen über den Hafen Piräus und Athen an die klassischen Stätten (Olympia und Mykene, Argos, Epidaurus auf dem Peloponnes, Eleusis und Delphi und Sunion) bringt. Diese Fahrten schließen die ägäischen Inseln Kreta, Mykonos, Delos und Rhodos ein und sind meistens preiswerter als eine Privatfahrt.

Für den, der von Athen aus die griechischen Inseln besuchen will, bieten sich auch griechische Schiffe mit wohlrenommierten Kreuzfahrten in der Ägäis an. So startet die sehr komfortable, große „Semiramis“ zwischen April und Oktober wöchentlich zu einer Fünftagereise, die Kreta–Rhodos–Kos–Patmos und Mykonos–Delos einschließt. Auch ist dies Schiff für Wochenendfahrten eingesetzt, die in die nördliche Ägäis nach Thasos und Samotlrake oder Samos und südlich bis zu der farbenprächtigen Vulkaninsel Santorini und Paros führen.

Der Griechenland-Besucher, der auf den Preis acht zu achten braucht, wird mit dem Flugzeug bis Hellenikon bei Athen reisen und die Fahrt im keinen Türkenhafen in Piräus beginnen. Unter den vielenschönen Yachten, die dort unterhalb des Berges liegen, auf dem der hilfsbereite Königliche Yacht-Club sein gastliches Haus hat, werden einige an Fremde für Privat-Kreuzfahrten vermietet. Allerdings muß man für diese Segelpartien, für die erfahrene griechische Mannschaften vorhanden sind, möglichst einen Freundeskreis von mindestens vier und höchstens 20 Leuten mitbringen, je nach der Größe des Bootes.

Wollen wir schnell vom Preis sprechen, damit das erledigt ist?

Auf den kleinsten, nicht sehr komfortablen, aber sehr seetüchtigen Fischerbooten, die ebenfalls für solche Kreuzfahrten angeboten werden, den Caiques, kostet der Tag pro Person 50 bis 70 Dollar (200 bis 280 DM). Auf den großen und zum Teil luxuriösen Segelschiffen – wie der in diesem Jahr in Dienst gestellten 20 bis 25 Personen fassenden Yicht Blue Horizont muß der Feriensegler 200 Dollar (800 DM) anlegen. Es empfiehlt sich, mit den Büros, die diese Kreuzfahrten vermitteln, vorher gründlich die Länge der Reise, die Ziele und den Gesamtpreis festzulegen. (Im April, Mai und September/Oktober werden übrigens Ermäßigungen gewährt.)

Eine Griechenland-Fahrt bietet bezaubernde Möglichkeiten. Der eine wird eine Kunst- und Bildungsreise etwa nach Epidaurus, dem Heiligtum des Äskulap, antreten, wo es das antike Theater gibt, in dem im Sommer Festspiele des Griechischen National-Theaters von Athen stattfinden, oder er wird Herakleion und Knossos und die minoischen Schätze in dem großen Museum sehen wollen. Man kann auf kurzem Weg die kleinen bezaubernden Eilande Salamis, Spetse, Hydra in der Nähe Athens oder die größeren Inseln wie Kephalonia undKorfu in der Ionischen See, Samos, Limnos, Naxos, Mykonos und die verlassene Apoll-Insel Delos in der Ägäis besuchen. Sie alle haben Hotels, zum Teil sehr einladende, neue staatliche Touristenhotels, die die griechische Zentrale für Fremdenverkehr empfiehlt, aber auch elegante Luxushotels: so in Rhodos auf Rhodos, der großen Insel des Dodekanes, die davon profitierte, daß sie in der Ära Mussolinis von der imperialen Romantik der Faschisten entdeckt und für den Tourismus zubereitet wurde. In Rhodos gibt es seither gute Hotels und gute Straßen. Aber schon in dem benachbarten Lindos mit dem Tempel und der Kreuzfahrerburg auf der Akropolis, wo die Omnibus- und Autotouristen nur Blitzbesuche machen, gibt es kein Hotel. Man kann aber dort, wenn man in der lieblich geschwungenen Bucht mit dem Boot vor Anker geht, wie auf vielen anderen der „unberührten griechischen Inseln“, auf denen es keine Hotels gibt, über die Touristenpolizei für die Nacht ein Privatquartier beziehen, das bei der herzlichen Gastfreundschaft der Griechen überall leicht zu haben ist und häufig das unvergeßlichste aller Erlebnisse wird.