Meister des Ping-Pong-Stils

Kalender haben ihre Tücken. Eine große englische Sonntagszeitung kündigte (wie die meisten Nachschlagewerke) das zehnjährige Bestehen des Staates Israel für den 14. Mai an. In Wirklichkeit wird es, da Israels Kalender, am europäischen gemessen, „vorgeht“, schon am 24. April gefeiert.

Gerade noch rechtzeitig erschien ein Buch, das klug und amüsant zugleich ist:

George Mikes: „Milch und Honig – Die Entstehung Israels.“ Diogenes Verlag, Zürich; mit Zeichnungen von Nicolas Bentley; 184 S., 9,40 DM.

Erstaunlich ist, daß dieses Buch erst ziemlich spät aus dem Englischen, der Wahlmuttersprache des einst ungarischen Autors, ins Deutsche übersetzt (dabei allerdings gleichzeitig um einen köstlichen Schlußteil, „Zehn Jahre später“, erweitert) wurde.

Vor acht Jahren sagte ein deutscher Verleger dem Autor, die Deutschen würden sein Buch „als unverhüllte jüdische Propaganda betrachten und ablehnen“; und ein anderer Verleger wies es zurück, es „sei stark antisemitisch gefärbt“. Also luden zwei Stühle ein zum Dazwischensetzen, und das Buch erschien nicht...

Noch erstaunlicher finde ich es freilich, daß George Mikes in Deutschland überhaupt „angekommen“ ist. Er schreibt nämlich in einem Stil (die oben zitierten Gründe für das Nichterscheinen seines Buches sind schon ein Beispiel dafür), der hierzulande nicht so sehr viele Freunde hat, jedenfalls aber als „nicht seriös“ gilt – einem Ping-Pong-Stil. „Ping“ geht die Aussage nach links (und erbittert alle, die rechts für einzig richtig halten) – „Pong“ zielt der nächste Satz nach rechts (und macht sich die Linken zu Feinden) – immer geht es so hin und her (wobei „rechts“ und „links“ mit Politik nichts zu tun haben) – bis es auf einmal kommt: Schmetterball, Volltreffer, As.