Die rund 1100 Aussteller der Elektro-Industrie belegen diesmal auf der Messe fast ein Viertel der gesamten Ausstellungsfläche. Drei große neue Hallen wurden nur für diese Gruppe gebaut und die Baukosten von 17,5 Mill. DM zum erheblichen Teil durch Vorauszahlungen von Standmieten aufgebracht. Diese räumliche Neuordnung der Gruppe „Elektro-Industrie“ gab sämtlichen Ausstellern feste und zum Teil auch größere Stände. Die Bindung an Hannover durch Mietverträge für zwölf Jahre bestätigt Hannover als Universal- und Zentralmesse der deutschen Elektro-Industrie.

Das neue Elektro-Messehaus 12 überragt mit seinen 50 m Höhe alle anderen Ausstellungsgebäude und stellt 150 Firmen etwa 10 000 qm Ausstellungsfläche für das Angebot von elektrischen Lampen und Leuchten zur Verfügung. Es werden Wohnraumleuchten und technische Leuchten angeboten, Kristall- und Preßstoffleuchten, Beleuchtungsgläser und Gläser für technische Zwecke sowie Lampenschirme. Von der Wohnraumleuchten-Industrie werden zur Messe neue Muster und Modelle erwartet. Da ein großer Teil der Firmen nur alle zwei Jahre mustert, kommt der diesjährigen Messe durch diese Ankündigung noch besondere Bedeutung zu. Rund 10 000 qm Ausstellungsfläche haben in Halle 11 die Aussteller der Rundfunk-, Fernseh- und Phono-Industrie. Die schweren Investitionsgüter werden in Halle 13 gezeigt. Zusammen mit der zweistöckigen Halle 10 bilden alle vier Gebäude einen imposanten und geschlossenen Komplex.

Die Bestätigung Hannovers als zentraler Messeplatz der deutschen Elektro-Industrie hat sicher dazu beigetragen, daß – im Zeichen des kommenden westeuropäischen Marktes – auch die ausländische Konkurrenz stärker vertreten ist als in den Vorjahren. Von den 171 ausländischen Firmen (im Vorjahr waren es 126) kommen allein 75 aus Frankreich und versprechen, einen repräsensativen Querschnitt der französischen Elektro-Industrie zu geben. Zu dem veränderten äußeren Bild und der beachtlichen Auslandsbeteiligung kommt als dritte Besonderheit ein – durchaus berechtigter – Optimismus dieser Gruppe. Das letzte Jahr brachte der westdeutschen Elektro-Industrie nicht nur einen Umsatzhöchststand, noch bemerkenswerter ist, daß der Auftragseingang durchschnittlich sogar noch etwas stärker zugenommen hatte als der Umsatz. Dies läßt die Entwicklung der Elekto-Industrie als besonders günstig erscheinen. Umsatzsteigerungen gab es 1957 auch in den meisten anderen Industriegruppen, jedoch gingen vielfach die Auftragsbestände leicht zurück. In der Elektro-Industrie stieg der Umsatz 1957 von rund 12,5 auf rund 14 Mrd. DM, also um elf bis zwölf v. H. Der Auftragseingang lag durchschnittlich um etwa 13. v. H. über dem des Jahres 1956. Für die ersten Monate des laufenden Jahres ist bisher keine Änderung dieser günstigen Entwicklung zu beobachten. Man vertraut auch darauf, daß ohne die Verwendung elektrotechnischer Geräte und Anlagen keine Rationalisierung und Automatisierung in der Produktion möglich ist. Der Trend kann freilich in den einzelnen Zweigen unterschiedlich verlaufen und mancher große Investitionsplan vielleicht unter dem Eindruck internationalerKonjunkturabschwä- chungen aufgeschoben werden – aufgehoben sind diese Pläne in keinem Fall...

Wie stark die Elektroindustrie auch im letzten Jahr an der zunehmenden Automatisierung und Rationalisierung beteiligt war, zeigt die erhebliche prozentuale Steigerung der Produktion bei den Gruppen Regel- und Steuerungseinrichtungen um fast 19 v. H. und bei Elektronen- und Speziairöhren um 31 v. H. Wenn auch der Konsumgüteranteil an der Gesamterzeugung der westdeutschen Elektro-Industrie 1957 von 28 auf rd. 33 v. H. stark angestiegen ist, so bilden die Investitionsgüter doch nach wie vor das Schwergewicht der Elektroproduktion.

Bei den Konsumgütern der Elektro-Industrie nahm gegenüber 1956 die Erzeugung elektroakustischer Geräte mit 38 v. H. am stärksten zu, gefolgt von der Kühlschrankproduktion:

Die gesamte Umsatzzunahme der Elektroindustrie um 11 bis 12 v. H. im letzten Jahr bedeutet – nach Mitteilung des Zentralverbandes der Elektrotechnischen Industrie – nicht nur eine wertmäßige Umsatzausweitung, sondern auch eine reale, denn die Elektropreise hätten sich gegenüber 1956 im Durchschnitt eher verringert als erhöht (auf Basis 1950 gleich 100 liegt der Index des Erzeugerpreises der Elektro-Industrie bei 111). Kurt Döring