Von Hedda Westenberger

Von gut gemachten Sachbüchern wimmelt es heute: Sie unterscheiden sich meistens nur durch den Grad ihrer Aktualität und den wissenschaftlichen Rang des Autors. Hingegen gibt es recht wenige Sachbücher, deren Autoren imstande wären, ungeachtet der eigenen Begeisterung ihre Materie so objektiv und ohne irreführenden Optimismus zu behandeln, daß das Ganze die zuverlässige „Reportage der Wirklichkeit“ darstellt.

Von einem amerikanischen Physiker stammt das Buch:

George Russell Harrison: „Was der Mensch zu sein vermag – Das Leben im Zeitalter der Wissenschaft;“ Econ Verlag, Düsseldorf; 320 S., 16,80 DM.

Der Autor eines anderen Sachbuches ist ein Münchner Kulturphilosoph und Biologe:

Reinhard Demoll: „Bändigt den Menschen – Mit der Natur oder gegen sie?“; Bruckmann Verlag, München; 302 S., 15,80 DM.

Die „Sache“, um die es in beiden Büchern geht, ist der Mensch in der von ihm veränderten und rapid sich weiter verändernden Welt. Harrison will als Naturwissenschaftler vor allem dem Unbehagen zu Leibe rücken, das so viele Menschen erfüllt: Weil sie nicht wissen, was heute in der Forschung wirklich vor sich geht. So greift er bis auf die „Urzelle“ zurück, um von dort aus Schritt für Schritt nachzuweisen, daß der gefürchtete Atomphysiker von heute nichts anderes fortführt als das, was die Natur selber vor Jahrmillionen begonnen und seitdem fortgeführt hat: die geordnete und systematische Gruppierung und immer wieder Neu-Gruppierung von Atomen zu immer neuen Lebensformen und Strukturen.