Tania Blixen zu Gast

Von P. Hühnerfeld

Das Ausland ist es, wo wir Nordländer unsere Feldschlachten gewinnen müssen", schrieb Henrik Ibsen an den großen dänischen Kritiker Georg Brandes. "Ein Sieg in Deutschland, und Sie werden daheim die Oberhand haben."

Der Brief, in dem diese Sätze fielen, ist mittlerweile fast neunzig Jahre alt. Aber was Ibsen schrieb – vor allen Dingen im zweiten Satz – galt lange; vielleicht noch bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Erst von da an haben die Skandinavier nicht nur ihre Butter, sondern auch ihre Dichtung vorzüglich nach England "verkauft". Und wer diesen etwas schnoddrigen Satz in Dänemark übelnimmt, dem sei gleich versichert: Hierzulande wissen wir, daß uns die Schuld trifft, wenn die Nordländer ihre "Feldschlachten" heute nicht mehr in Deutschland gewinnen.

Dänemarks größte Dichterin, Tania Blixen – mit "bürgerlichem Namen" Karen Baronin Blixen-Finecke – reist in diesen Tagen durch Deutschland. Für sie traf der Satz von Ibsen schon nicht mehr zu, als die Zeitläufte noch günstig waren. Sie schrieb ihr erstes großes Buch ("Afrika – dunkle leuchtende Welt") auf englisch. Sie hatte ihren ersten großen Erfolg in der anglo-amerikanischen Welt und ist dort bis heute so erfolgreich geblieben, daß Ernest Hemingway anläßlich des Telegramms, das ihm die Nachricht von der Verleihung des Nobelpreises für Literatur brachte, ausrufen konnte:

"Ich dachte, Tania Blixen habe ihn bekommen." Man versteht wohl, warum gerade Ernest Hemingway dies dachte; denn der Mann, dem es Spaß machte, immer wieder zum Kampf anzutreten und "der Beste" zu sein, hat in der Aristokratin aus Seeland seine Meisterin gefunden.

Nicht etwa, daß sie "besser" wäre als er. Sie ist nur so anders, so europäisch, so ganz und gar dem Welttheater des alten Erdteils verbunden, wie Hemingway es nie sein kann.