Pfandbriefe sind eine ausgesprochene Daueranlage. Zur Spekulation eignen sie sich sehr selten. Treten keine außergewöhnlichen Ereignisse (wie beispielsweise Abwertungen) ein, dann zählt der Pfandbrief zu den sichersten Kapitalanlagen, die der Wertpapiermarkt zu bieten vermag. Der häufig zitierten "schleichenden Geldentwertung" entgeht man am besten dadurch, indem man jährlich einen Teil des Zinserlöses wieder zu "Kapital" macht, also neue Wertpapiere erwirbt. Natürlich ist gerade unter diesem Gesichtspunkt ein hoher Zins recht reizvoll, aber Emissionen mit überdurchschnittlich hohem Zinssatz pflegen in der Regel keine lange Laufzeit zu besitzen. Der Emittent (Aussteller der Wertpapiere) läßt sich die Möglichkeit offen, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt die teuren Emissionen ablösen zu können. Meist geschieht das im Wege einer Konversion (Umwandlung einer Anleihe in eine neue Anleihe mit anderem Zinssatz und veränderten Tilgungsbedingungen). Wer in einen solchen Tausch nicht einwilligt, erhält nach erfolgter Kündigung den Nennwert seiner Anleihe- oder Pfandbriefstücke ausgezahlt.

In den letzten Jahren waren festverzinsliche Papiere nur dann marktfähig, wenn ihre Zinsen entweder mit beträchtlichen Steuervergünstigungen ausgezahlt werden konnten oder wenn die Höhe des Zinssatzes entsprechend reizvoll war. Wir haben deshalb bei den festverzinslichen Papieren einen zweigleisigen Markt: einmal die steuerbegünstigten Wertpapiere und zum anderen die tarijbesteüerten Emissionen. Dabei stehen die steuerbegünstigten Werte auf dem Aussterbeetat, denn Emissionen dieser Art dürfen seit geraumer Zeit nicht mehr aufgelegt werden. Steuerbegünstigte Papiere werden gegenwärtig vor allem von solchen Interessenten gesucht, die hohe Steuern zu zahlen haben, während die tarifbesteuerten Stücke besonders für den Sparer mit kleinem bzw. mittlerem Einkommen geeignet sind.

Wer seinerzeit achtprozentige Anleihen vom sogenannten Bosch-Typ (Bosch brachte den ersten "Achtprozenter" heraus) erworben hat, kann inzwischen einen schönen Kursgewinn buchen, denn die Kurse dieser Anleihen liegen zwischen 103 und 105 v. H. Ich habe Ihnen, meine verehrten Leser, schon mehrmals an dieser Stelle gesagt, daß es überlegenswert ist, die Gewinne dieser Anleihen "mitzunehmen" und mit dem Erlös neue siebenprozentige Emissionen zu kaufen. Ich halte es nämlich durchaus für möglich, daß – hält der Trend des sinkenden Kapitalmarktzins an – die Emittenten von der vielfach in den Anleihebed.ngungen niedergelegten Möglichkeit Gebrauch machen werden, nach fünf Jahren Laufzeit die Gesamtemission zu kündigen. Die ersten Anleihen des Bosch-Typs können 1961 zum Kurs von 100 v. H. zurückgezahlt werden. Es steht dann den Besitzern dieser Stücke ein sicherer Kunstverlust von 3 bis 5 Punkten bevor.

Nun rechnen Sie bitte: Bis zum ersten Kündigungstermin einer Emission sind beispielsweise noch etwa drei Jahre. Sie notiert heute mit 103 v. H. Es wird also bei einer Pari-Rückzahlung je Jahr 1 v. H. eingebüßt. Schlagen Sie das eine Prozent auf den Zinssatz der jetzt noch erhältlichen 7prozentigen Emissionen auf, dann bekommen Sie – zumal Sie noch den Ausgabekurs für die 7prozentigen Emissionen von 98 1/2 v. H. berücksichtigen müssen – eine höhere Effektiv-Verzinsung als bei den "Achtprozentern". Aber es ist nicht nur die höhere Rendite, die den Tausch reizvoll macht. Wichtig ist daneben vor allem die Tatsache, daß Sie für mindestens weitere fünf Jahre (also bis zur ersten Kündigungsmöglichkeit) einen Zinssatz von 7 v. H. für sich sichergestellt haben.

Wer noch länger über seine Ersparnisse disponieren kann, hat die Möglichkeit, sich mit dem Erwerb von Pfandbriefen über einen weitenZeitraum einen akzeptablen Zins zu sichern. Aufmerksamkeit verdienen die 6prozentigen Pfandbriefe, die bei einem Kurs von 92 v. H. (zu diesem Preis kann man sie über die Börse erwerben) eine Effektiv-Verzinsung von 6,52 v. H. abwerfen. Ihre Laufzeit geht teilweise bis 1990–1995. Allerdings sind auch diese Papiere schon vorher voll kündbar (ab 1958). Da jedoch die Hypothekenbanken beim Verkauf von Pfandbriefen stets entsprechend langfristige Gegengeschäfte abgeschlossen haben, sind vorzeitige Kündigungen – jedenfalls bei den Sechsprozentern – unwahrscheinlich.

Nun gibt es aber auch sechsprozentige Pfandbriefe zu Originalbedingungen zum Kurs von 94 v. H. Da es sich hierbei um ältere, noch nicht voll verkaufte Emissionen handelt, kann man davon ausgehen, daß diese Stücke zum steuerbegünstigten Wertpapiersparen zugelassen sind, das im übrigen in der jetzigen Form in diesem Jahr ausläuft. Haben Sie, meine verehrten Leser, also noch Platz in Ihren Sonderausgaben, dann rate ich Ihnen, den Erwerb solcher Stücke zu erwägen. Je nach dem individuellen Steuersatz erreichen Sie einen Zinssatz (über die Steuerersparnis), der sonst kaum erzielt werden kann. Effektiv-Verzinsung bei einem Erwerbspreis von 94 v. H. = 6,52 v. H. Außerdem haben Sie bei weiter sinkendem Zins eine hübsche Kurschance!

Eine noch bessere Verzinsung ergibt sich durch den Kauf von siebenprozentigen Schiffspfandbriefen, die an der Börse zu 100 v. H. notiert werden. Effektiv-Verzinsung also genau 7 v. H. Diese Emissionen können im allgemeinen frühestens 1962 zurückgezahlt werden, spätestens 1972. An eine vorzeitige Kündigung ist jedoch kaum zu denken. Es gibt im übrigen auch noch siebenprozentige Schiffspfandbriefe, die zum steuerbegünstigten Wertpapiersparen zugelassen sind. Unter gewissen Voraussetzungen ist das eine oder andere Schiffsbeleihungsinstitut bereit, solche Stücke noch zu 99 1/2 v. H. abzugeben.