Was privatwirtschaftlich richtig ist, ist politisch nicht immer möglich. Das bedeutet nicht, daß das politisch Wünschbare und Erforderliche immer und in jedem Fall mit den volkswirtschaftlichen Möglichkeiten kollidiert. Die Selbstfinanzierung (und die Abschreibung als zusätzliche Kapitalbildungsquelle) hat sich in den Nachkriegsjahren über Gebühr in den Vordergrund geschoben, z.T. sogar unter ausdrücklicher Förderung amtlicher Stellen. Bei aller Billigung dieser Praktiken für die zurückliegenden Jahre des Wiederaufbaues muß jetzt alles unternommen werden, auch auf diesem Gebiet wieder zu normalen Verhältnissen zurückzufinden, d.h. die Investitionsfinanzierung aus Unternehmenserträgen zugunsten anderer Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung auf einen Stand herunterzudrücken, der ohne Nachteile für die Wirtschaft früher üblich und auch tragbar war. Das ist ein sozialpolitisches Erfordernis ersten Ranges.

Die Schwierigkeiten, die sich diesem Ziel im wirtschaftlichen Alltag in den Weg stellen, sind noch kein schlüssiger Beweis dafür, daß es unerreichbar ist. Wäre es so, sollte es sich auf die Dauer in der Tat als unmöglich erweisen, "mehr von der Investitionsfinanzierung als bisher durch den gefühlsbestimmten Bereich der privaten Einkommensbezieher hindurchzufiltern" – wie die Bemühungen, das Eigentum breiter zu streuen, in dem Jahresbericht des BDI apostrophiert werden –, dann könnte das Konsequenzen recht unangenehmer Art für den Bestand der Marktwirtschaft haben. Die Investivlohn- und Miteigentumspläne, der von dem Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften, Prof. Gleitze, gemachte Vorschlag, die durch die "unerläßlich" hohe oder sogar steigende Selbstfinanzierung bei den Unternehmen entstandenen Vermögenssubstanzen aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit nachträglich auf die Allgemeinheit zu überschreiben, zeigen, in welche Sackgasse die Wirtschaft durch eine allzu hartnäckige "Verteidigung des Raumes der Selbstfinanzierung" geraten kann.